Ärzte Zeitung online, 02.06.2009

Bereitschaft zur Organspende steigt in Deutschland

BERLIN(dpa). In Deutschland wächst die Bereitschaft zur Organspende - wenn auch langsam: Immerhin 17 Prozent der Bundesbürger haben mittlerweile einen Organspendeausweis, 2001 waren es nur 12 Prozent gewesen.

Zum Tag der Organspende am kommenden Samstag (6. Juni) unter dem Motto "Deutschland kann mehr" sagte Gesundheitsstaatssekretär Rolf Schwanitz am Dienstag in Berlin: "Dieser positive Trend muss gestärkt werden. Eigentlich ist die Bereitschaft in der Bevölkerung groß, aber es haben noch zu wenig Menschen einen Organspendeausweis."

Nach einer Flaute im Vorjahr habe es im ersten Quartal 2009 erfreulicherweise auch wieder mehr Organtransplantationen gegeben, berichteten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Bundesgesundheitsministerium.

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale fühlt sich immerhin die Hälfte der Deutschen über Organspende gut informiert und fast ebenso viele haben zumindest die Absicht, sich einen Ausweis zu besorgen. Oft scheitere die Umsetzung dann aber doch. "Das Thema Tod zu verdrängen ist absolut menschlich", sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Professor Elisabeth Pott. Trotzdem müsse sich jeder darüber klar sein, dass in Deutschland derzeit 12 000 schwer kranke Menschen auf ein Spenderorgan warten. Die Wahrscheinlichkeit, eine Organspende zu benötigen, sei zudem dreimal höher als selber nach dem Tod Organspender zu werden.

Die Wartezeit für eine Niere betrage derzeit fünf bis sechs Jahre. Auf Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse müssen Schwerkranke etwa ein bis zwei Jahre warten. Mit zusätzlichen 1,5 Millionen Euro vom Bund sollen deshalb Aufklärungskampagnen verstärkt werden.

Aber auch die Sensibilität in den Krankenhäusern müsse noch besser werden, sagte Pott. Dort sollen Transplantationskoordinatoren potenzielle Spender melden. Dazu sei es sehr wichtig, dass die Angehörigen von Schwerkranken Vertrauen zu den Ärzten hätten, betonte Pott. In Deutschland muss man seine Einwilligung zu einer Organspende zu Lebzeiten dokumentieren, oder sie wird nach dem Tod den Angehörigen übertragen.

www.organspende-info.de

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