Ärzte Zeitung online, 03.06.2009

Klimawandel bedroht auch Osteuropa

BONN(dpa). Auch Osteuropa und Zentralasien sind vom fortschreitenden Klimawandel stark bedroht. Besonders in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion seien die Vorbereitungen auf die Folgen des Klimawandels aufgrund von früherem Umwelt-Missmanagement und oft miserabler Infrastruktur unzureichend, heißt es in einem Weltbank-Bericht, der am Dienstag auf der UN-Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde.

Schon kleine Änderungen im Klima könnten etwa in Osteuropa einschließlich Russland und Zentralasien verheerende Folgen haben - wie Hochwasser, Dürren, Hitzeperioden, Stürme und Waldbrände. Die Region müsse endlich Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln.

Die Erderwärmung werde in Europa nicht nur die Mittelmeerländer sondern immer stärker auch Länder nördlich davon erfassen, sagte die Autorin der Weltbank-Studie, Marianne Fay. Mitte des Jahrhunderts würden Polen oder Ungarn genauso viele heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius erleben wie heute Spanien oder Sizilien. "Viele Länder leiden heute schon unter Winterfluten und Sommerdürren, dabei gibt es für Südosteuropa und Zentralasien ein Risiko für ernste Wasserengpässe."

Ein Anstieg des Meeresspiegels werde sich auch im Baltischen Meer, der Ostadria und der türkischen Mittelmeerküste, dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer auswirken, sagte Fay. Polen sei mit seiner dicht bevölkerten und niedrig liegenden Küstenregion besonders gefährdet. Zu Zeiten der kommunistischen Sowjetunion sei wirtschaftliches Wachstum in Missachtung der Umwelt verfolgt worden. So sei etwa Usbekistan zu einem der größten Baumwollproduzenten der Welt aufgestiegen, aber auf Kosten der Zerstörung des Aral-Sees.

Für die Finanzindustrie ist das angepeilte neue globale Klima-Abkommen von großer Bedeutung, um über ökologisch orientierte Investitionen zu entscheiden. Das ergab eine Studie, die von der Umweltorganisation Germanwatch und dem Beratungsunternehmen onValues in Bonn vorgestellt wurde. Deshalb seien auch in der Finanzbranche die Augen auf den Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen gerichtet, wo das Abkommen beschlossen werden soll. "Die Finanzindustrie wartet auf frischen Wind aus Kopenhagen, der für einen erneuten Auftrieb von zukunftsfähigen Investments sorgen könne", sagte der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals.

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