Ärzte Zeitung online, 04.07.2009

Unwetterbilanz in Deutschland: Zwei Tote und Millionenschaden

HAMBURG (dpa). Zwei Menschen starben und der Schaden geht in die Millionen: Das erste schwere Unwetter dieses Sommers in Deutschland hat vor allem im Süden und Westen für Ausnahmezustände gesorgt. In Baden-Württemberg starben zwei Menschen.

Ein 33 Jahre alter Feuerwehrmann half beim Auspumpen eines vollgelaufenen Kellers in Korntal-Münchingen in Baden-Württemberg, als ihn ihm Wasser ein tödlicher Stromschlag traf. In Affalterbach kam eine 46 Jahre alte Frau ums Leben. Sie stand nach Polizeiangaben vor ihrem Haus, als ein Blitz in einen Baum neben ihrem Hundezwinger fuhr. Der umstürzende Baum verletzte die Frau tödlich. In Ludwigsburg wurde ein Arbeiter am Arm verletzt, als ein Blitz in einen Baukran einschlug. "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der beiden Verstorbenen", sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech am Samstag.

Der Autohersteller Porsche stoppte am Freitagabend die Produktion in seinem Werk in Stuttgart-Zuffenhausen. Mehrere Hallen standen unter Wasser, stundenlang fiel der Strom aus. Spezialkräfte seien das ganze Wochenende damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag. Zur Frühschicht am Montag könne die Produktion voraussichtlich wieder aufgenommen werden. Wie hoch der Schaden sei, lasse sich nicht sagen.

Am Düsseldorfer Flughafen schaufelten am Samstagmorgen Kolonnen von Putzfrauen das Wasser im Ankunftsbereich weg, das dort zehn Zentimeter hoch gestanden hatte. Reisende mussten am Vorabend Verspätungen von bis zu drei Stunden in Kauf nehmen. Um 22.40 Uhr startete die letzte Maschine. "Es sind noch alle in den Urlaub gekommen", sagte ein Flughafen-Sprecher. Am Samstag gingen die Flüge wieder pünktlich raus.

Im Regierungsbezirk Düsseldorf mussten zu Beginn des ersten Ferienwochenendes 12 Autobahnabschnitte gesperrt werden. Zwölf Stunden war das Autobahnkreuz Meerbusch dicht, ehe das Wasser aus überfluteten Tunneln abgepumpt war. In der Landeshauptstadt schwitzten 250 Helfer bei nächtlichen Einsätzen. "Es war turbulent", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr, die zu etwa 450 Einsätzen gerufen wurde. In manchen Kellern stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch.

In Essen reichten 400 Einsatzkräfte nicht aus, um die Wasserschäden einzudämmen, berichtete die Polizei. Der Emscherdeich drohte an einer Stelle zu brechen. Mit Sandsäcken kämpfte die Feuerwehr erfolgreich dagegen an. In Neuss wurden zwei Taucher von Wassermassen im Keller einer Realschule eingeschlossen, die die Tauchschule zu Trainingszwecken nutzt. Durch den Wasserdruck ließen sich die Türen nicht mehr öffnen. Die Feuerwehr konnte die beiden befreien.

Auf dem Salzberg bei Zielitz in Sachsen-Anhalt trauten die Zuschauer der "Kalimandscharo"-Festspiele am Freitagabend ihren Augen nicht: Kräftiger Sturm hob die tonnenschwere Bühne an und versetzte sie um 30 Zentimeter. Hagelschauer rissen metertiefe Löcher in den Salzberg. Zwei Podeste und ein Sonnenschutzzelt flogen durch die Luft. Es gab keine Verletzten, teilte der Veranstalter am Samstag mit. Die Besucher der Vorstellung "Anna und das Irrenhaus am Rande der Stadt" hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

In Kaiserslautern schlug ein Blitz in die Feuerwache ein. Zweieinhalb Stunden fiel der Strom aus, berichtete Einsatzleiter Peter Cornelius. In Bayern standen nach dem Unwetter manche Autos bis zum Lenkrad im Wasser. Bei Weigendorf in der Oberpfalz wurde durch den Regen eine Gerölllawine ausgelöst, Steine auf der Fahrbahn blockierten nach Polizeiangaben stundenlang die Durchfahrt der angrenzenden Straße. Die Räumarbeiten dauerten am Samstagmorgen an.

Der Deutsche Wetterdienst warnte vor weiteren Unwettern mit Starkregen auch am Samstag. Betroffen seien vor allem Bayern und Brandenburg.

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