Ärzte Zeitung online, 08.07.2009

Vattenfall patzt auch in Schweden - Vertrauen weg

STOCKHOLM (dpa). "Das Vertrauen in Vattenfall ist dahin", schrieb die Stockholmer Zeitung "Dagens Nyheter" am Mittwoch. Gemeint war das Vertrauen der Deutschen nach der neuen folgenschweren Panne im Atomkraftwerk Krümmel. Noch am selben Tag erklärte Schwedens oberste Strahlenschutzbehörde SSM etwas höflicher, aber mit harten Konsequenzen, dass auch ihr nach neuen Pannenserien in heimischen Reaktoren das Vertrauen in die "Sicherheitskultur" bei Vattenfall abhandengekommen sei.

"Unsere Behörde ist der Auffassung, dass der Sicherheit in Teilen der Organisation nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das kann auf Dauer die Reaktorsicherheit gefährden."

Mit der Anordnung behördlicher Sonderkontrollen für das Atomkraftwerk Ringhals steht Vattenfallchef Lars G. Josefsson auch im eigenen Land vor einer neuen Image-Katastrophe. In Deutschland ist Krümmel nach zweijährigem Stillstand erneut für mehrere Monate vom Netz. In Schweden kam die neue Hiobsbotschaft, nachdem gerade etwas Gras über den auch von Josefsson selbst als "sehr ernst" eingestuften Zwischenfall im Atomkraftwerk Forsmark an der mittelschwedischen Ostseeküste 2006 gewachsen war.

Damals staunten die Schweden über Berichte von Forsmark- Mitarbeitern, die einen generellen "Verfall der Sicherheitskultur" beklagten und von Panik im Kontrollraum beim höchst gefährlichen Ausfall von Notstromgeneratoren berichteten. Forsmark wurde gleich für zwei Jahre unter verschärfte Behördenaufsicht gestellt. Josefsson räumte Fehler ein und gelobte Besserung - unter anderem durch den früheren Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Hans Blix als neuem "unabhängigen Sicherheitsberater".

Auch als Vattenfall nun binnen weniger Tage mit praktisch denselben Problemen sowohl in Deutschland als auch in Schweden wieder höchst negative Schlagzeilen machte, war von Blix nichts zu hören. Dafür vernahmen die Schweden im Rundfunk den zuständigen Chef der Strahlenschutzbehörde, Leif Karlsson, sein Vertrauen in Vattenfall sei "doch angeknabbert", weil im Atomkraftwerk Ringhals - 60 Kilometer von Göteborg entfernt im Süden des Landes - das eigentlich gute Sicherheitskonzept einfach nicht umgesetzt werde.

Kurz vor den Sommerferien hatte auch Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson erklärt, dass sie im Fall Vattenfall Kontrolle für besser als Vertrauen halte. Das Staatsunternehmen setzt ihr nicht zuletzt in Deutschland viel zu massiv auf Kohle. Das sei nicht mit dem Streben der Regierung nach weniger CO2-Emissionen und mehr erneuerbarer Energie vereinbar. Jetzt will Olofsson Vattenfall mehr von letzterem mit formellen "Eignerdirektiven" verordnen.

Konzernchef Josefsson macht all dies einen dicken Strich durch sein unermüdliches Streben, Vattenfall und sich selbst als unermüdliche Vorkämpfer für "klimaneutrale" Energieproduktion in sicheren Atomreaktoren und hochmodernen Kohlekraftwerken zu präsentieren. Zu den neuen Problemen in Krümmel und Ringhals hat der zeitweilige Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel bisher geschwiegen.

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