Ärzte Zeitung online, 15.07.2009

Erneut radioaktive Lauge in Asse festgestellt

SALZGITTER (dpa). Im maroden Atomlager Asse in Niedersachsen ist erneut radioaktiv belastete Lauge festgestellt worden. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter am Dienstag mitteilte, ist durch die Kontamination eine Gefährdung des Betriebspersonals und der Umgebung der Asse aber ausgeschlossen.

Bei einem Kontrollgang der Schachtanlage Asse II sei an der tiefsten Stelle des Schachtes 2 in 950 Meter Tiefe eine Ansammlung von neuen Salzlösungen festgestellt worden. Eine weitere Stelle wurde auf der 925-Meter-Sohle gefunden. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weiter mitteilte, wurden in den Lösungen Werte für Cäsium 137 von 121 Becquerel pro Liter festgestellt und für Tritium von 27 000 Becquerel pro Liter. Beide Werte lägen unterhalb der Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung. Das Bundesamt habe Strahlenschutzmaßnahmen veranlasst.

Bis 1978 wurden 126 000 Behälter mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Müll unter die Erde gebracht. Was genau eingelagert wurde, ist bis heute unklar. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war gesetzlich noch nicht vorgeschrieben. Das alte Salzbergwerk wurde nach Bergrecht betrieben.

Nach etlichen Pannen und Versäumnissen ist dem ehemaligen Betreiber, der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF), die später im Helmholtz-Zentrum München aufging, zum Jahresbeginn 2009 die Verantwortung entzogen worden.

Seit Januar ist das Bundesamt für Strahlenschutz Bundesamt für Strahlenschutz (BfS/Salzgitter) zuständig, das direkt dem Bundesumweltministerium untersteht. Mit dem Betreiberwechsel ging einher, dass die Schachtanlage Asse unter Atomrecht fällt.

Lesen Sie dazu auch:
Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Asse
Atommüll-Lager Asse: Bundesamt prüft Strahlenbelastung aller Mitarbeiter
Staatsanwaltschaft prüft drei Krebsfälle von Asse-Mitarbeitern

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