Ärzte Zeitung online, 17.07.2009

Ein neues Gen gab Dackel kurze Beine

WASHINGTON (dpa). Forscher haben herausgefunden, warum der Dackel kurze Beine hat. Ursache ist eine einzige Genveränderung. Das zeige, wie kleine Mutationen große Auswirkung auf die Evolution der Tiere haben könnten, berichtet eine Gruppe amerikanischer Genforscher im Fachjournal "Science" (online vorab).

Auch Bassets und andere Hunderassen seien auf diese Weise zur Kurzbeinigkeit gekommen. Zudem spiele das Gen bei der Kleinwüchsigkeit von Menschen eine Rolle.

Heidi Parker, Elaine Ostrander und ihre Mitarbeiter vom amerikanischen National Institute of Health in Bethesda (USA) hatten die Gene von 835 Hunden aus 76 verschiedenen Rassen untersucht. Darunter waren 19 Rassen, die durch ihre kurzen Beine auffallen.

Dabei fanden sie, dass es bei all diesen Rassen auffallende Ähnlichkeiten in einem bestimmten Genbereich gab. Diese betreffen ein Gen für einen Wachstumsfaktor namens fgf4, das beim Menschen mit Kleinwüchsigkeit verbunden ist. Die hochsignifikante Verbindung zwischen diesem Gen und der Beinlänge deute darauf hin, dass es die Ursache für die Kurzbeinigkeit der Hunderassen sei, schreiben die Forscher.

Die genaue Erbgutstruktur rund um das Gen ist bei allen kurzbeinigen Hunderassen sehr ähnlich. Daher glauben die Forscher, dass es nur eine einzige Umstellung gewesen ist, die zu den ersten kurzbeinigen Tieren führte - erst später teilten sich diese in der Züchtung etwa in Dackel, Corgi oder Bassets auf.

   Besonders interessant sei, dass das fgf4-Gen ein sogenanntes Retrogen ist. Diese sind im Erbgut stark verbreitet und könnten nach neuesten Forschungen eine Hauptursache für eine Genvermehrung und das Entstehen neuer Gene sein. Sie werden zunächst kopiert, und die Information dieser Kopie (RNA) wird an anderer Stelle im Erbmaterial eingefügt.

   Alle Hunde gehören einer einzigen Art an - dennoch bilden sie heute nach der Züchtung durch den Menschen die meisten verschiedenen Formen unter allen bekannten Säugetieren. Die Ursache dieser großen Plastizität ist umstritten.

Ihre Ergebnisse zeigten, dass mit der Einführung des Retrogens schon ein einzelnes, kleines Ereignis zu einem bedeutenden Umbau des Körperbaus von Hunden geführt haben könnte, schreiben die Forscher. Auf ähnliche Weise hätten auch bei anderen Tieren kleine Änderungen zu großen Evolutionssprüngen führen können.

Fachartikelnummer DOI: 10.1126/science.1173275

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