Ärzte Zeitung online, 28.07.2009

Auto-Klau an der Costa Blanca kein Einzelfall

MADRID/ALICANTE (dpa). Es muss blitzschnell gegangen sein. Die Diebe drangen nachts in das Haus des Fahrers von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) im spanischen Denia ein, schnappten sich die Schlüssel des Dienstwagens und waren kurz darauf mit dem teuren Auto auch schon über alle Berge. Der Chauffeur schlief, und auch die Nachbarn bekamen nichts mit.

So ist es an der Costa Blanca schon vielen Touristen und ausländischen Residenten ergangen, wie Horst Glöde weiß. Der Deutsche sitzt für die konservative Volkspartei (PP) im Stadtrat von Denia. "Leider ist so etwas hier kein Einzelfall. Wir haben zwar keine große Kriminalität, aber auf große und schöne Autos muss man aufpassen", sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auf solche Fahrzeuge haben es nach seinen Worten nämlich organisierte Banden abgesehen, die in der Gegend ihr Unwesen treiben. So sei dort kurz nach dem Dienstwagen Schmidts ein anderes Auto gestohlen worden - ebenfalls ein deutsches Modell der gehobenen Klasse.

Erst vor knapp zwei Monaten hatte die spanische Polizei eine Bande zerschlagen, die entlang der Mittelmeerküste zwischen Alicante und Girona Nobelautos entwendete. 19 Verdächtige wurden damals festgenommen. Sie sollen rund 150 Wagen gestohlen und dann mit gefälschten Papieren nach Nordafrika gebracht haben. Auch Osteuropa ist ein beliebter Absatzmarkt.

Glöde beklagt, dass es in Denia zu wenig Polizisten gebe. "Hier tun 80 Beamte der Nationalpolizei in fünf Schichten ihren Dienst, das sind nur 16 pro Schicht." Das reiche bei weitem nicht aus, um eine 65 Quadratkilometer große Stadt zu bewachen, deren Einwohnerzahl sich im Sommer auf rund 150 000 Menschen verdreifache - viele davon sind Deutsche.

Im Falle von Schmidts Dienstwagen "waren absolute Profis am Werk", ist Glöde überzeugt. "Dass es die Ministerin getroffen hat, war nur Zufall." Auch die zuständige Nationalpolizei in Alicante ermittelt nach eigenen Angaben in diese Richtung, schließt aber gewöhnliche Kriminelle als Täter auch nicht aus. Zumal diese nach Aussage einer Sprecherin eher leichtes Spiel hatten: Die Diebe hätten sich nicht mit Gewalt Zugang in das Haus des Fahrers verschaffen müssen, sondern seien über eine Hintertür hineingelangt, die einen Spalt weit offengestanden habe. Die Autoschlüssel lagen demnach sichtbar auf einem Tisch. "Leider passiert es im Sommer öfter, dass gutgläubige Menschen Opfer von dreisten Dieben werden."

Der Diebstahl rief sogar den Vertreter der spanischen Regierung in der Region auf den Plan. "Millionen Deutsche wissen, dass sie in Spanien in ihrem Urlaub sicher sind", sagte Ricardo Peralta, der damit mögliche Imageschäden abwenden wollte. "Der Fall der Ministerin ist eine Ausnahme", fügte er hinzu.

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