Ärzte Zeitung, 12.08.2009

Das Verhütungsrezept gegen Teenagerschwangerschaft: "Habt Sex!"

Ungewöhnlicher Aufruf zur Verhinderung von Teenagerschwangerschaften in Großbritannien: "Sex soll Spaß machen und wer regelmäßig Geschlechtsverkehr hat, muss seltener zum Arzt."

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Foto: Ivan Bliznetsov ©www.fotolia.de

LONDON (ast). Mit provokativen Floskeln versuchen Gesundheitspolitiker in Großbritannien gegen die steigende Zahl von ungewollten Schwangerschaften bei Jugendlichen und die hohe Zahl von Geschlechtskrankheiten vorzugehen. Britische Ärzte unterstützen die Initiativen. Den Anfang machte kürzlich die nordenglische Stadt Sheffield. Weil in Sheffield seit Jahren immer mehr Teenager schwanger werden und weil die Krankenhäuser der Stadt über steigende Neuinfektionen unter Jugendlichen mit Geschlechtskrankheiten berichten, änderte das örtliche Gesundheitsamt seine Strategie: Nachdem jahrelang auf Abschreckung gesetzt wurde, werden Teenager seit Kurzem regelrecht zum Sex ermuntert.

Seitdem findet der jugendliche Leser Ratschläge wie "Ein Orgasmus am Tag beschützt dich vorm Arzt". Oder "Sex verbessert die Konzentrationsfähigkeit und das Immunsystem." Dazu Steve Slack vom Sheffielder Zentrum für HIV und sexuelle Gesundheit: "Unsere Devise ist nicht Abschreckung vom Sex, sondern ein verantwortungsvoller Umgang damit. Teenager haben ein Recht auf ein erfülltes Sexualleben." Slack argumentiert, dass Anti-Sex-Kampagnen, in denen Teenagern vom Sex abgeraten wird, nicht die erwünschten Erfolge gezeigt hätten.

Britische Ärzte geben Slack recht. Seit Jahren führt Großbritannien im internationalen Vergleich die Liste der Länder mit der höchsten Rate ungewollter Schwangerschaften im Jugendalter an. Jährlich bringen im Königreich laut amtlichen Statistiken rund 39 000 Mädchen unter 18 Jahren ein Kind zur Welt. Mehr als 7000 von ihnen sind jünger als 16 Jahre und unter den 14-Jährigen stieg die Zahl zuletzt um 21 Prozent. "Die Aufklärungskampagnen der Vergangenheit haben nicht viel bewirkt", sagte eine Sprecherin des britischen Ärztebundes (British Medical Association, BMA) der "Ärzte Zeitung".

In Deutschland hingegen ist die Zahl der Geburten bei Minderjährigen in den letzten Jahren von 7295 (2003) auf 5812 (2007) gesunken, das entspricht einem Rückgang von etwa 20 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Lebendgeburten in Deutschland sank von 1 auf 0,8 Prozent.

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