Ärzte Zeitung online, 31.07.2009

Ernst-August-Prozess: Arzt entdeckte keine Brüche

HILDESHEIM(dpa). Bei der Attacke von Ernst August Prinz von Hannover auf einen Hotelier in Kenia hat das Opfer nach Aussage eines Arztes keine Brüche oder inneren Verletzungen erlitten. Der Leiter der Intensivstation einer Klinik in Mombasa wurde am Donnerstag als Zeuge im Landgericht Hildesheim gehört. "Die Röntgenaufnahmen der Brust waren normal", sagte der 57-Jährige, der Josef Brunlehner im Jahr 2000 behandelt hatte. Auch die Ultraschalluntersuchung des Unterleibs habe normale Werte ergeben.

Strittig ist, wie schwer die Verletzungen des Hoteliers waren und ob Ernst August mit einem Schlagring zugeschlagen hatte.

Der Mediziner bestätigte vor Gericht, dass der Patient über Schmerzen geklagt habe. Diese hätten von einem Bluterguss unterhalb des Schlüsselbeins stammen können. Brunlehner habe ein schmerzstillendes Medikament erhalten, das aber den Sauerstoffgehalt im Blut senkt. Deshalb habe der Patient für drei Stunden eine Sauerstoffmaske bekommen. Auch Druckstellen am Unterbauch hatte der Arzt festgestellt, dies seien jedoch nur oberflächliche Verletzungen gewesen. Sie könnten von einem Faustschlag stammen, aber nicht von einem Objekt wie einem Schlagring, erklärte der Zeuge.

Nach zwei Tagen sei Brunlehner auf eine normale Station verlegt worden, weitere zwei Tage später auf eigenen Wunsch aus der Klinik entlassen worden. "Er war in dieser Zeit zu keinem Moment bewusstlos, er war nie in einem künstlichen Koma", sagte der Notfallmediziner. Woher die Verletzungen stammten, wisse er nicht. Er habe mit dem Patienten nicht über die Ursachen gesprochen. Über die späteren Fotos von Brunlehner in der Zeitung sei er entsetzt gewesen. Er wisse nicht, wie die Journalisten in die Intensivstation gekommen seien. Die Verteidigung wirft dem Hotelier vor, sein Leiden für die Presse inszeniert zu haben.

Ernst August hatte eingeräumt, dem Hotelier im Januar 2000 am Strand zwei Ohrfeigen gegeben zu haben. Grund für den Angriff sei der Lärm von einer Diskothek Brunlehners gewesen. Der Chef des Welfenhauses hatte in seiner schriftlichen Einlassung erklärt, er habe sich über den Lärm und die Lichtschau der Disco geärgert und Brunlehner mit den Worten "One for the music and one for the light" lediglich zwei Ohrfeigen verpasst. Dafür verurteilte das Landgericht Hannover den Ehemann von Prinzessin Caroline 2004 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 445 000 Euro. Nach einem erfolgreichen Wiederaufnahmeantrag des Prinzen wurde das Verfahren jetzt neu aufgerollt.

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