Ärzte Zeitung online, 07.08.2009

Klug wie in der Fabel: Wie Krähen Würmer ergattern

NEW YORK (dpa). Der griechische Dichter Aesop beschrieb vor mehr als zwei Jahrtausenden in einer Fabel, wie eine durstige Krähe Steine in einen halb mit Wasser gefüllten Krug warf, um den Wasserspiegel zu erhöhen und an das labende Nass zu kommen. Zu derlei Spitzfindigem sind Krähen tatsächlich in der Lage, haben britische Forscher herausgefunden. Die Vögel werfen Steinchen in ein teils mit Wasser gefülltes Röhrchen, um auf der Oberfläche schwimmende Speisen ergattern zu können.

"Testpersonen" des Versuchs waren die Saatkrähen Cook, Fry, Connelly und Monroe. Die Forscher stellten ihnen jeweils ein schmales Gefäß in den Käfig, in dem - unerreichbar weit unten - ein Wurm aus Wachs schwamm. Außerdem legten sie eine Handvoll Steine neben das Gefäß. Alle vier Krähen nahmen einzelne Steine und schmissen sie in den Plastikbecher, bis der Wurm in Schnabelweite schwamm. Cook und Fry gelang diese Denkleistung auf Anhieb, Connelly und Monroe schafften es erst im zweiten Anlauf, schreiben die Forscher (Current Biology Bd. 19, S. 1).

Nur bei Orang-Utans sei bisher gezeigt worden, dass sie ein solches Problem lösen können, erläutert das Team um Cristopher David Bird von der Universität Cambridge. Die Tiere spuckten demnach so lange Wasser in ein Röhrchen, bis eine am Boden liegende Erdnuss in Reichweite hinauf schwamm. "Krähen sind bemerkenswert schlau und machen den Menschenaffen vielfach Konkurrenz mit ihrer Intelligenz und ihrer Fähigkeit, Probleme zu lösen", betonte Bird. Aesops Fabel basiere möglicherweise gar auf realen Beobachtungen des Dichters.

Erstaunlich sei gewesen, dass die Krähen bei den Versuchen nicht nach jedem Steinchen testeten, ob sie nun an den Wurm kommen, sondern exakt die notwendige Menge einwarfen - und auch kein Steinchen mehr. Zudem hätten die Tiere größere Steine bevorzugt, die den Wasserspiegel schneller steigen ließen. "Wild lebende Krähen nutzen Werkzeuge nicht, weil sie es nicht können, sondern weil sie es nicht müssen", ist Bird überzeugt. "Sie kommen an genug anderes Futter ran, für das sie kein Werkzeug brauchen." Dies gelte auch für andere Tierarten - Kapuzineräffchen etwa.

Wie schlau Krähen sind, zeigte auch ein weiterer Versuch der britischen Forscher: Als diese statt Wasser etwas Sägemehl in die Becher kippten und den Wurm darauf legten, stopften die Krähen auch einige Steinchen hinein - sahen dann aber rasch ein, dass sie die Methode in diesem Fall nicht weiterbringt.

Zum Arbstract der Originalarbeit mit Fachartikelnummer: DOI 10.1016/j.cub.2009.07.033

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