Ärzte Zeitung online, 10.08.2009

Rummelplatz-Unfall: heiße Bremse mögliche Ursache

BERLIN (dpa). Der Alptraum eines jeden Rummelplatzbesuchers ist am Samstag beim Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Berlin wahr geworden. Das Fahrgerät "Stargate" kam in voller Fahrt plötzlich zum Stehen - 14 Menschen bangten kopfüber hängend in 15 Metern Höhe um ihr Leben und schrien um Hilfe. Erst nach langen 45 Minuten konnten sie gerettet werden.

Der Unfall wurde durch eine heiß gelaufene Bremse ausgelöst, wie ein Sprecher des Festes der rbb-Welle radioBerlin sagte. Das habe eine TÜV-Untersuchung ergeben. Am Sonntagvormittag hatten TÜV-Gutachter das stillgelegte Fahrgerät geprüft. Mit zuverlässigen Ergebnissen sei erst in den kommenden Tagen zu rechnen, hieß es zu diesem Zeitpunkt.

Sanitäter und Ärzte kümmerten sich Samstagabend um die Fahrgäste. Bei dem Notfall wurde kein Fahrgast verletzt. Leichte Verbrennungen zog sich den Betreibern des "Stargate" zufolge ein Mitarbeiter bei der Notreparatur des Karussells zu. Zwei Menschen mussten vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht werden, mehrere Menschen klagten über heftige Übelkeit und Schwindelgefühle.

Erst vor einer Woche war auf demselben Volksfest ein 11-jähriger Junge bei einer Achterbahnfahrt gestorben. Die Ursache konnte noch nicht ermittelt werden.

"Die Leute hingen kopfüber wie in einem Käfig. So etwas darf nicht passieren", sagte der Fest-Veranstalter Richard Simmons am Sonntag in Berlin. Er ging von einem technischen Defekt aus. Normalerweise sorge ein Notmechanismus dafür, dass die "Stargate"-Gondel wieder in ihren Normalzustand versetzt werde. Dieser Mechanismus habe versagt.

Simmons erklärte, warum er nicht sofort die Feuerwehr rief: "Zunächst haben wir versucht, die Gondel wieder in ihren Urzustand zu versetzen." Die Feuerwehr hätte sonst auch nichts tun können. Ein Bügel in der Gondel drückt die Gäste in die Sitze. Köpfe und Beine hängen frei in der Luft. Hätte man den Bügel in dieser Position gelöst, wäre Schlimmeres passiert, so Simmons. Den Mitarbeitern gelang es schließlich, die Gondel nach unten zu bringen.

Er habe mit fast allen Fahrgästen gesprochen, berichtete Simmons. Eine Frau habe demnach gar nicht verstanden, dass ein Unglück passiert ist. "Sie hielt das für die normale Fahrt." Andere Gäste hingegen waren alles andere als ruhig geblieben.

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