Ärzte Zeitung online, 10.08.2009

145 Wanderer mit Darmgrippe - Hütte geschlossen

OBERSTDORF/KEMPTEN (dpa). Nach dem Genuss von verunreinigtem Trinkwasser auf einer Berghütte im Allgäu sind rund 145 Wanderer an einer heftigen Magen-Darm-Infektion erkrankt. 41 Menschen seien im Krankenhaus behandelt worden, ein Teil von ihnen sei auch am Sonntag noch in stationärer Behandlung gewesen, teilte die Polizei in Kempten mit.

Die auf 2019 Metern gelegene Rappenseehütte wurde am Sonntag geschlossen, um die gesamte Hütte gründlich desinfizieren zu können. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.

Auf der viel besuchten Hütte hatte es eine Störung der Anlage zur Trinkwasseraufbereitung gegeben. Auf der Homepage und am Info-Telefon der Hütte ließen Hüttenwirt und -wirtin am Sonntag wissen: "Es besteht Betretungsverbot. Wir bitten um ihr Verständnis."

Laut Polizei mussten 35 Menschen per Hubschrauber in Kliniken ausgeflogen werden, vier Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Bis zum Samstag waren bereits mehr als 100 Bergwanderer erkrankt. Die Gäste wurden auf der Rappenseehütte und umliegenden Hütten ärztlich betreut, Ärzte hatten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet. "Viele Wanderer konnten eigenständig ohne Behandlung oder nach der Behandlung ins Tal gehen", sagte ein Polizeisprecher.

Die Rappenseehütte gehört zur Sektion Allgäu-Kempten des Deutschen Alpenvereins (DAV) und soll mindestens bis Wochenmitte geschlossen bleiben. "Aufgrund der ersten vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird davon ausgegangen, dass die im Trinkwasser enthaltenen Keime sich nicht allzu leicht abtöten lassen", sagte der Polizeisprecher. Außerdem solle mit der Schließung sichergestellt werden, dass die Kette der Infektionen unterbrochen wird, erläuterte die Polizei die Entscheidung des Landratsamtes Oberallgäu. Im Tal weisen Hinweistafeln auf die Hüttensperrung hin. Zu Beginn der Woche werden die abschließenden Untersuchungsergebnisse über die Erreger erwartet.

Zunächst war versucht worden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes wurde das Wasser abgekocht und chloriert. Zusätzlich wurde vom DAV Mineralwasser zur Versorgung der Wanderer und Gäste zur Hütte gebracht.

Inzwischen wurden auf den anderen Hütten am Allgäuer Hauptkamm vorsorglich die Hygienemaßnahmen verstärkt. Für den Fall, dass dort Infektionen auftreten sollten, müssen separate Räumlichkeiten für Betroffene vorgehalten werden.

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