Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Hirnforscher empfiehlt Musik als Medizin

MÜNSTER (dpa). Musik kommt nach Expertenansicht in der Medizin viel zu kurz. "Die positive Wirkung von Musik auf den Körper wird von vielen Ärzten unterschätzt", sagte der Hirnforscher und bildende Künstler Professor Erwin-Josef Speckmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Münster.

"Über das Gehirn gelingt der Zugang zu diversen Erkrankungen. Und Musik spricht das Gehirn perfekt an", erklärte der Neurophysiologe, der auch an der Kunstakademie Münster unterrichtet. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe plant dazu am Donnerstag (20. August) in Münster einen Kongress mit Jazzmusik.

Es müsse nicht unbedingt Jazz sein, sagte Speckmann. "Es gibt nicht das optimale Genre oder das eine bestimmte Musikstück gegen eine bestimmte Krankheit." Vielmehr seien es die grundlegenden Eigenschaften jeder Musik wie Rhythmus und Harmonie, mit denen sich positive Wirkungen erzeugen ließen. Es scheine fast selbstverständlich: Schnelle, rhythmische Stücke wirkten antreibend und motivierend, bedächtig Fließendes diene der Entspannung.

"Es geht einfach darum, dass das Gehirn dem Rest des Körpers sagen können muss, was Sache ist", berichtete der Gehirnexperte. Dazu befinde es sich am besten in einer "mittleren Aktivitätslage", sagte Speckmann. "Musik hat die Fähigkeit, die Aktivität im Gehirn einen Gang hoch oder runter zu fahren", erklärte der Mediziner und betonte, dass Musik medikamentöse Behandlungen - etwa bei chronischem Bluthochdruck - ergänzen, aber nicht ersetzen könne.

Auch sei nicht jedes Leiden musikalisch therapierbar: "Beim Beinbruch wird es schwierig. Aber bei einer bakteriellen Infektion kann Musik durchaus das Immunsystem ankurbeln." Auf das Wohlbefinden komme es an. Dabei mache es laut Speckmann kaum einen Unterschied, ob man nun Werke von Wolfgang Amadeus Mozart auflege oder eigenhändig auf dem Klavier klimpere: "Wer selbst spielt, bewegt halt noch ein paar Muskeln nebenbei. Für das Hirn ist beides sehr gesund."

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