Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Vater von verhungerter Sarah will aussagen

THALMÄSSING/NÜRNBERG (dpa). Der in Untersuchungshaft sitzende Vater der verhungerten Sarah aus dem bayerischen Thalmässing will erstmals aussagen. "Es ist für diese Woche ein Vernehmungstermin vorgesehen", bestätigte Justizsprecher Thomas Koch am Montag in Nürnberg. Es sei aber unklar, ob die Angaben des 29-Jährigen bei der Aufklärung der Tragödie weiterhelfen.

Die Ermittlungen im Umfeld der sehr zurückgezogen lebenden Familie seien schwierig, erläuterte Koch: "Wir haben einen Fall, der im privaten Bereich stattgefunden hat, wo aber Vater und Mutter bislang nicht aussagen wollten oder konnten." Die 26 Jahre alte Mutter der verhungerten Dreijährigen liegt derzeit mit einer schweren Erkrankung in einer Klinik.

Nachdem Sarah am Montag vergangener Woche in einem Nürnberger Krankenhaus an Unterernährung gestorben war, hatte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassung gegen die Eltern erlassen. Aufgrund der Obduktionsergebnisse geht die Anklage davon aus, dass das Kind über längere Zeit wenig oder gar nichts zu essen bekam. Die Eltern hatten zuletzt wegen des bedrohlichen Gesundheitszustands des Kindes einen Notarzt gerufen; die Kleine war jedoch nicht mehr zu retten.

Bei einer Trauerfeier hatten am Wochenende in Thalmässing rund 250 Menschen des Opfers gedacht. Die Tragödie um das kleine Mädchen hatte den 5300-Einwohner-Ort schwer erschüttert. Trauergäste stellten am Sonntag Kerzen und Teddybären vor dem Haus des Mädchens auf. Wie Sarahs Vater auf den Tod und die Beerdigung seines jüngsten Kindes reagierte, wollte der Anwalt des Mannes nicht kommentieren.

Topics
Schlagworte
Panorama (30767)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »