Ärzte Zeitung online, 20.08.2009

Ist Weltmeisterin Semenya tatsächlich eine Frau?

BERLIN (eb). Mit einer Top-Zeit von 1:55,45 Minuten hat die 18-jährige Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM in Berlin den 800-Meter-Lauf gewonnen. Jetzt muss sie sich einem Geschlechtstest unterziehen (wir berichteten).

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War bei der WM nicht zu schlagen - doch jetzt überprüfen Ärzte ihr Geschlecht: Caster Semenya (li).

Foto: dpa

Ein Gynäkologe, ein Internist und ein Endokrinologe untersuchen derzeit Semenyas Geschlecht. Es wird für möglich gehalten, dass sie unwissend eine männliche Chromosomen-Kombination hat.

Weil es beim Leichtathletik-Weltverband IAAF schon seit Längerem Zweifel geben hat, wurde die Geschlechtsüberprüfung bereits vor Ankunft der Athletin aus Südafrika in Berlin begonnen.

Der südafrikanische Leichtathletik-Verband ließ mitteilen, dass es keinen Grund für den Verdacht gebe, Semenya sei ein Mann. In Südafrika wurde mit Verärgerung auf die Untersuchung reagiert.

Semenya wurde am 7. Januar 1991 in Ga-Masehlong, einem Dorf in der Nähe der Stadt Polokwane geboren. Sie studiert Sportwissenschaften an der Pretoria University. Ende Juli war sie aus dem Nichts an die Weltspitze vorgestoßen. Sie konnte ihre persönliche Bestzeit innerhalb eines Jahres um acht Sekunden verbessern und war bei der Leichtathletik-WM nicht zu schlagen.

Eine ihrer Konkurrentinnen, die fünftplatzierte Maria Savinowa, äußerte Zweifel am Geschlecht der Siegerin. Und die Italienerin Elisa Piccione, die Sechste wurde, stellte klar: "Für mich ist sie keine Frau."

Noch ist nicht sicher, was passiert, wenn sich tatsächlich herausstellen sollte, dass Semenya ein Mann ist. Es gebe keine vorgeplanten Schritte, heißt es bei der IAAF. Um ein Dopingvergehen handelt es sich jedenfalls nicht.

Diskussionen und Spekulationen um das Geschlecht von Athletinnen hat es in der Leichtathletik schon vor mehr als 40 Jahren gegeben. Bekanntester Fall: Die Zwillinge Tamara und Irina Press aus der Sowjetunion. Kurz vor Beginn der Leichtathletik-Europmeisterschaft 1966 in Budapest zogen sich die Weltklasse-Athletinnen im Kugelstoßen und Diskuswerfen schlagartig vom Leistungssport zurück. Bis heute wird spekuliert, ob sie einen drohenden Geschlechtstest verhindern wollten.

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