Ärzte Zeitung online, 26.08.2009

Esoterik-Musiker im Glaskasten bestreitet Missbrauchsvorwürfe

MÜNCHEN (dpa/eb). Der Esoterik-Musiker Oliver Shanti hat zum Beginn seines Prozesses wegen 314-fachen sexuellen Kindesmissbrauchs alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe abgestritten. "Ich habe nie Kinder missbraucht, ich habe Kinder sehr lieb", sagte der 60-Jährige am Mittwoch vor dem Münchner Landgericht.

Wegen besonders strenger Sicherheitskontrollen konnte die Verhandlung erst mit etwa halbstündiger Verspätung eröffnet werden. Der Angeklagte musste in einem Glaskasten sitzen sowie einen Gummimantel und Mundschutz tragen, da er mit MRSA infiziert ist. Der Mann mit dem Künstlernamen Shanti leidet außerdem an Lymphdrüsenkrebs.

Shantis Berliner Anwalt Sebastian Bartels betonte vor Gericht: "Unser Mandant ist unschuldig." Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben würden, seien ein "wirtschaftliches Komplott". Die Eltern der mutmaßlich geschändeten Kinder, die ihn beschuldigten, seien Mitbegründer der Shanti-Familie gewesen, einer Wohngemeinschaft zur Produktion von esoterischer Musik. Weiter zitierte der Anwalt aus einem Papier, das der Angeklagte im Gefängnis geschrieben hatte: Shanti habe 2002 weltweit einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro gemacht. "In dem Jahr nahmen Missgunst und Neid überhand." Seine Gegner hätten einen Kriminellen aus ihm gemacht und ihm alles weggenommen.

Zunächst sind acht Verhandlungstage angesetzt. Nach Angaben der zuständigen Ermittler fanden die Übergriffe auf die minderjährigen Kinder bereits in den 80er und frühen 90er Jahren sowohl in München als auch Portugal statt. Shanti habe als "Guru" einer Art religiösen Gemeinschaft seit 1980 überwiegend in Portugal auf einer Finca gelebt.

Der 60 Jahre alte Angeklagte und seine Anhänger verdienten ihren Lebensunterhalt durch die Produktion und Vermarktung ihrer religiösen Musik. Laut Anklage machte sich Shanti seinen Status als Sektenführer und sein väterliches Verhältnis zu den minderjährigen Kindern seiner Anhänger für seine Straftaten zunutze. 2002 hatten sich zwei Opfer an die Polizei gewandt. Seither fahndete das Bundeskriminalamt nach ihm. Im Juni 2008 war er in Lissabon gefasst worden.

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