Ärzte Zeitung online, 01.09.2009

Mann stirbt auf seiner Rollstuhl-Tour nach Brüssel

FRANKFURT/MAIN/FÜRTH (dpa). Er wollte andere Behinderte ermutigen, er wollte sie auffordern, sich nicht unterkriegen zu lassen. Jetzt ist Ralf Ochsler tot. Der schwerbehinderte Mann, der mit dem Rollstuhl auf dem Weg von Fürth nach Brüssel war, um dort auf die Belange Behinderter aufmerksam zu machen, wurde tot in einem Hotel in Frankfurt gefunden.

"Sein Tod kam sehr plötzlich. Wir wissen noch nicht, woran er gestorben ist", sagte eine Sprecherin des von Ochsler gegründeten Vereins "Unabhängige Behinderten-Beratung Fürth" am Montag. "Vielleicht hat sein Herz es nicht gepackt, weil er so viele Tabletten nehmen musste."

Das drastische Ende der 643 Kilometer langen Rollstuhl-Fahrt hat die Beteiligten an dem Projekt schwer erschüttert. "Er war an dem Abend so vital und lebensfroh wie immer, man hat ihm nichts angemerkt", sagt Benjamin Predel. Der Freiwillige des Roten Kreuzes hatte den Rollstuhlfahrer auf seiner Tour mit einem Kleinbus begleitet. Noch am Abend vor dessen Tod war der 20-Jährige mit Ochsler in einem Frankfurter Restaurant essen - am Freitagmorgen fand er ihn leblos in seinem Hotelzimmer.

Ochsler litt an Diabetes, im Januar stellten die Ärzte zudem Lymphdrüsenkrebs fest. Ein halbes Jahr hatten ihm die Ärzte im Januar noch gegeben. Doch der 48-Jährige - wegen der Krankheit inzwischen 250 Kilogramm schwer - ließ sich auch auf Abraten der Ärzte nicht von seinem Vorhaben abhalten. "Ich bin doch eh längst überfällig", hatte der schwerkranke Mann zu Beginn seiner Tour am vergangenen Montag in Fürth noch gesagt. Seine letzte Energie wolle er dafür einsetzen, dass Behinderte es leichter haben. Deshalb wollte er mit mehreren Zwischenstopps über Landstraßen nach Brüssel fahren, um sich dort mit EU-Abgeordneten zu treffen. Im Herbst sollte es dann nach New York zum UNO-Hauptsitz gehen.

Ein Blog-Eintrag des Schwerkranken lässt erahnen, dass er am Donnerstag vor seinem Tod einen anstrengenden Tag hinter sich hatte: "Der heutige Tag war sehr strapaziös. Erstens brannte die Sonne wieder heftig runter, zum anderen sind die empfohlenen Radwege oder Gehsteige für einen Rollstuhlfahrer kaum zu bewältigen."

Zweimal sei er zudem von Polizisten gebeten worden, andere Wege zu benutzen. Es habe aber keine Alternativ-Route gegeben. "Also mussten sie mich schweren Herzens doch ziehen lassen. Doch ein Team fuhr leise mit Blaulicht hinter mir her", schrieb Ochsler. "Irgendwann wurde mir das zu dumm."

Triebfeder für die strapaziöse Reise war für Ochsler die Vorbildfunktion, die er damit einnahm. "Ich möchte mit meiner Aktion anderen Behinderten Mut machen - zeigen, dass man trotz der Einschränkungen vieles erreichen kann", hatte er zu Beginn seiner Tour vor einer Woche gesagt. Selbst mit seinen letzten Zeilen, die er in einem Blog schrieb, machte Ochsler noch auf die Probleme Behinderter aufmerksam. "In Frankfurt angekommen, fiel mir der schlechte Zustand der Straßen im Randgebiet auf. Warum gibt es da so viele Unterschiede in den einzelnen Städten?"

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