Ärzte Zeitung online, 04.09.2009

Studie: Keine Mammut-Operation an Schwerverletzten

AACHEN (dpa). Das Risiko für schwer verletzte Unfallopfer steigt nach einer Studie tendenziell mit der Operationsdauer. Die erste Operation sollte nicht länger als sechs Stunden dauern, idealerweise nur zwei Stunden, sagte der Chef der Unfallchirurgie am Aachener Klinikum, Professor Hans-Christoph Pape, am Donnerstag.

Gängige Praxis sei aber bisher, sämtliche nach dem Unfall notwendigen Operationen sofort durchzuführen. "Das kann angezeigt sein, ist heutzutage aber häufig nur die zweitbeste Lösung", sagte Pape.

So eine Marathon-Op könne auch schon mal zehn Stunden dauern. Für Schwerverletzte in einem instabilen Zustand könne es besser sein, den ersten Eingriff auf das Notwendige zu beschränken und die noch notwendigen Operationen danach Schritt für Schritt zu machen. Wenn sich der Patient nach zwei oder drei Tagen erholt habe, könnten größere Eingriffe bei deutlich reduziertem Risiko angegangen werden. Zu diesem Schluss kamen Pape und seine Kollegen nach Auswertung der Daten von 21 000 Schwerverletzten aus deutschen Traumaregistern.

"Ein zu radikales Operieren und Blutverlust schwächen das Immunsystem. Im schlimmsten Fall kann das zu einem Multiorganversagen und zum Tod führen", stellte Pape fest. Bei langen Operationen falle die Körpertemperatur des unbekleideten Patienten. "Das ist schlecht für die Blutgerinnung." Wenn der Patient außerdem stundenlang auf der Seite liegen müsse, wirke sich das auf die Atmung aus. Pape fand heraus, dass ein schrittweises Vorgehen die Patienten dagegen schont. Probleme wie Blutungen während der Operation oder Komplikationen bei der intensivmedizinischen Betreuung nähmen ab.

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