Ärzte Zeitung online, 10.09.2009

Erbgut von verheerendem Kartoffelpilz entziffert

LONDON (dpa). Forscher haben das komplette Erbgut der Kraut- und Knollenfäule entziffert. Der verheerende Kartoffelpilz verursachte die irische Hungerkatastrophe von 1845, in deren Folge zwei Millionen Iren nach Amerika und Australien auswanderten. Er greift auch Tomaten an und führt auch heute noch weltweit zu Ernteausfällen von vier Milliarden Euro.

Der Pilz Phytophthora infestans verfüge über eine außergewöhnliche genetische Struktur, mit der er sich schnell an neue Kartoffelsorten anpassen könne, berichten Professor Sophien Kamoun vom englischen Sainsbury Laboratory und Kollegen im Fachmagazin "Nature" (online vorab) vom Mittwoch.

"Wir gehen von einem "Erbgut der zwei Geschwindigkeiten" aus, verschiedene Teile der Gene entwickeln sich in unterschiedlichen Maßen", erläuterte Kamoun. Dies Erbgut ermögliche es dem Pilz, sich schnell den Wirten anzupassen, während die genetische Kernstruktur erhalten bleibe. Der Erreger kann sogar Kartoffelsorten angreifen, die eigentlich gegen die Infektionen immun sein sollten. Das Erbmaterial des Erregers sei doppelt so groß wie bei ähnlichen Organismen. Dabei waren die Wissenschaftler überrascht, dass es nicht unbedingt viele verschiedene sondern sehr viel sich wiederholende Gene gab.

"Der Erreger ist wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeit zum Wandel und zur Anpassung so gefährlich", sagte Professor Chad Nusbaum vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Er erhofft sich durch die Erkenntnisse neue Ansätze im Kampf gegen den Befall: "Wir haben jetzt einen umfassenden Überblick über das Erbgut, der die ungewöhnlichen Eigenschaften seiner Anpassungsfähigkeit offenbart."

Die Kraut- und Knollenfäule vernichtet innerhalb weniger Tage ganze Felder. Der Pilz befällt Stängel und Blätter, wird vom Regen in den Boden gespült und dringt dort auch in die Knollen.

Zum Abstract des Artikels mit der Fachartikelnummer DOI 10.1038/nature08358

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