Ärzte Zeitung online, 15.09.2009

Nach S-Bahn-Mord Debatte um Zivilcourage

MÜNCHEN (dpa). Nach dem Mord an einem Geschäftsmann auf einem S-Bahnhof in München ist eine Debatte um Hilfsbereitschaft und Zivilcourage entbrannt. Der frühere Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Carl-Dieter Spranger (CSU), rief Bundespräsident Horst Köhler in der "Bild"-Zeitung (Dienstag) auf, den von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelten Mann mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren.

Er habe mit seinem beherzten Einschreiten ein Zeichen für Zivilcourage und gegen den zunehmenden Verfall des Wertebewusstseins in der Gesellschaft gesetzt. "Er hat Mut und Verantwortung gezeigt, wo Eltern mit schwersten Erziehungsfehlern versagt haben. Dafür gebühren ihm Anerkennung und Ehre des Staates."

Der frühere Berliner Justizsenator Rupert Scholz (CDU) verlangte ein schärferes Vorgehen gegen sogenannte Gaffer. Unterlassene Hilfeleistung werde mit bis zu einem Jahr Haft bestraft, betonte Scholz in der "Bild"-Zeitung.

Unklar ist weiter, ob Passanten hätten eingreifen können. Am Bahnhof waren laut Polizei rund 15 Menschen, als die beiden Jugendlichen den Mann mit mehr als 20 Schlägen und Tritten zu Boden prügelten. Er hatte sich schützend vor vier Kinder gestellt, von denen die Jugendlichen Geld erpressen wollten.

Der Bruder eines der Mädchen aus dieser Gruppe legte nach Medienberichten am Tatort einen Zettel nieder: "Ich möchte Ihnen hiermit meine Ehre erweisen und Ihnen danken, dass sie auf meine Schwester aufgepasst haben. Danke", ist auf dem Papier zu lesen, das am Sollner Bahnhof auf einem Meer von Blumen lag.

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