Ärzte Zeitung online, 18.09.2009

Warum Kinder Falschfarben malen - späte Hirnreife

HAMBURG (dpa). Blaue Pferde, rote Wiese: Die oft eigenwillige Farbgebung in Kinderbildern ist eine Frage der Hirnentwicklung. Das zeigt eine Studie der US-Psychologin Dr. Vanessa Simmering von der Universität von Wisconsin in Madison, über die das Magazin "GEO" in seiner Oktober-Ausgabe berichtet.

Bis zum Alter von fünf Jahren seien Jungen und Mädchen demnach meist nicht in der Lage, Form und Farbe eines Objekts miteinander verknüpft im "Arbeitsspeicher" ihres Gehirns abzulegen, schreibt das Hamburger Magazin.

Um zu untersuchen, wie unterschiedliche Altersgruppen Farb- und Form-Verknüpfungen verarbeiten, zeigte das Team um Simmering je 28 Vier- und Fünfjährigen sowie 28 erwachsenen Probanden für zwei Sekunden Bilder mit ein bis drei farbigen Sternen, Kreuzen und Dreiecken. Auf der Hälfte der jeweils folgenden Bilder wechselten entweder Platz oder Farbe der Objekte oder beides. Die andere Hälfte der Vergleichsbilder glich dagegen dem Original. Die Probanden sollten nun sagen, ob sich etwas auf dem Bild geändert hatte oder nicht.

Das Ergebnis: Die Erwachsenen und Fünfjährigen konnten die Veränderungen klar erkennen. Die Vierjährigen hingegen hatten große Schwierigkeiten mit der korrekten Verknüpfung von Form und Farbe. Diese Fähigkeit entwickele sich offensichtlich erst relativ spät, schließen die Forscher, die ihre Studie auch bereits Ende Juli auf einem Fachkongress in Amsterdam vorgestellt hatten. Vierjährige erinnerten sich etwa, dass sie eine Ente, einen Ball und ein Auto gesehen haben und diese Objekte rot, blau und gelb waren, aber nicht, dass die Ente blau, der Ball rot und das Auto gelb war.

Eine "surreale" Kolorierung von Kinderbildern verrate daher eine noch nicht abgeschlossene Hirnreife und ergebe sich nicht daraus, dass die Kinder einfach den nächstbesten Stift zur Hand nehmen.

www.geo.de

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