Ärzte Zeitung online, 29.09.2009

Nach Mobbing: Britin tötet sich und ihr behindertes Kind

LONDON (dpa). Eine Britin zündete 2007 nach zehnjährigem Mobbing sich selbst und ihre 18-jährige behinderte Tochter in einem Auto an. Eine Jury befand nun bei einer gerichtlichen Untersuchung, dass die Polizei und andere Behörden eine Mitschuld an dem Tod der beiden hatten.

Zehn Jahre wurden die Frau und ihre behinderten Kinder von Jugendlichen gemobbt und bedroht - und Hilferufe bei den Behörden blieben ungehört. 

Während sich die Polizei der Grafschaft Leicestershire öffentlich entschuldigte, kündigte die Unabhängige Polizei-Untersuchungskommission (IPCC) weitere Ermittlungen an.

Die alleinerziehende 38-Jährige hatte im Oktober 2007 Selbstmord begangen und dabei auch ihre Tochter Francesca getötet, weil sie die Drangsalierungen nicht mehr aushielt. Zuvor hatte sie innerhalb von sieben Jahren 33 Mal bei der Polizei angerufen.

Wie die Jury am Montag urteilte, tauschten Polizei und die Stadtverwaltung - wo die Frau das Mobbing gemeldet hatte - jedoch keine Informationen aus. So reagierte niemand auf die Anrufe der verzweifelten Frau. Der britische Premierminister Gordon Brown wollte am Dienstag Maßnahmen gegen asoziales Verhalten ankündigen.

Die Frau hatte zusammen mit ihrer schwer entwicklungsgestörten Tochter und ihrem Sohn Anthony, einem Legastheniker, in dem Ort Barwell gelebt. Eine Gruppe Jugendlicher aus derselben Straße beschimpfte und bedrohte die Familie jahrelang. Die Teenager bewarfen das Haus mit Eiern und Steinen, ein Mob von 16 Jugendlichen forderte Francesca auf, ihr Nachthemd auszuziehen, und ihr Bruder wurde mit einem Messer bedroht und einer Eisenstange verprügelt. Einige in der Gruppe sollen erst zehn Jahre alt gewesen sein.

Das "asoziale Verhalten in der Nachbarschaft" habe zu einem "wahrlich entsetzlichen und tragischen" Ende geführt, sagte Amerdeep Somal von der IPCC. Innenminister Alan Johnson erklärte, die Behörden hätten "daraus ihre Lehren zu ziehen". "Es ist eine Tragödie."

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