Ärzte Zeitung online, 30.09.2009

Hohe Gewässerbelastung durch Chemieunfälle

WIESBADEN (dpa). Riesige Mengen giftiger Chemikalien belasten in Deutschland Flüsse und Seen oder sickern ins Grundwasser. Allein im vergangenen Jahr mussten die deutschen Gewässer 23,1 Millionen Liter gefährliche Substanzen verkraften, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Das entspricht ungefähr dem Kofferraumvolumen von 47 000 Kombis.

Nur bei knapp zehn Prozent der durch Unfälle freigesetzten Chemikalien gelang es, eine Verschmutzung der Gewässer beispielsweise mit Pumpen oder Bindemittel noch zu verhindern.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 18,7 Millionen Liter mehr wassergefährdende Stoffe frei. Grund für den enormen Zuwachs ist den Statistikern zufolge ein Unfall, bei dem in Thüringen 19 Millionen Liter Kalilauge in einen Fluss gelangten. Heftiger Regen hatte ein Sammelbecken überlaufen lassen, ohne dass es jemand merkte.

Zwei Drittel der Unfälle ereigneten sich beim Transport der gefährlichen Stoffe, am häufigsten auf der Straße. Überwiegend sind es Sprit oder Heizöle, die nach Unfällen auslaufen. Nur knapp ein Fünftel der Fälle geht auf Materialschwächen wie undichte Behälter zurück. Bei 42 Prozent war menschliches Versagen der Auslöser.

Neben der Industrie ist auch oft die Landwirtschaft verantwortlich für Gewässerbelastungen. Gülle, Jauche oder Flüssigkeit aus gärendem Futter ergaben 2,2 Millionen Liter, die in 2008 Gewässer gefährdeten.

Die Zahl der Unfälle - im vergangenen Jahr waren es 2203 - über die Jahre zu vergleichen, ist schwierig, weil beispielsweise die Zahl aller Transporte als Vergleichsgröße fehlt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »