Ärzte Zeitung online, 14.10.2009

Österreich beklagt Studentenflut aus Deutschland

WIEN (dpa). Österreichs Universitäten klagen zum neuen Semester über eine Flut von deutschen Studenten und fordern Ausgleichszahlungen vom Nachbarland. Die Hochschulen des Alpenlandes haben keine Zulassungsbeschränkungen, mit dem Wegfall von Studiengebühren im vergangenen Jahr sind sie für angehende deutsche Akademiker noch attraktiver geworden.

Rektoren, einige Parteien und die Studentenvertreter wollen nach Medienberichten vom Dienstag deshalb Deutschland an der Finanzierung von Österreichs Hochschulen beteiligen.

Der Anteil an deutschen Studenten sei österreichweit von 2,6 Prozent im Jahr 2000 auf 7,3 Prozent im vergangenen Semester gestiegen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Insgesamt waren im vergangenen Semester rund 18 000 Deutsche eingeschrieben. Für dieses Semester rechnen die Hochschulen mit einer weiteren Erhöhung. Nach einem Bericht des ORF sind beispielsweise im grenznahen Salzburg die Hälfte aller neuen Publizistik-Studenten Deutsche, im Fach Psychologie kommen sogar drei Viertel der angehenden Akademiker aus dem Nachbarland.

"Kann man dem österreichischen Steuerzahler zumuten, dass er universitäre Infrastruktur zur Verfügung stellt für weite Teile Mitteleuropas, die jetzt unser Land überfluten, weil wir gratis Studienplätze zur Verfügung stellen?", sagte der Rektor der Universität Innsbruck, Karlheinz Töchterle dem ORF. An seiner Uni studierten momentan rund 3000 Deutsche, wegen der Verkürzung des Gymnasiums um ein Jahr im Nachbarland und den damit zusammenhängenden doppelten Abiturjahrgängen rechnet er mit noch steigendem Andrang. Ohne Ausgleichszahlungen und Studiengebühren sei das für die Hochschulen nicht mehr zu bewältigen. Diese Meinung vertreten auch unter anderem die Oppositionsparteien Grüne und Bündnis Zukunft Österreich.

Bundeswissenschaftsminister Johannes Hahn von der konservativen ÖVP will aber von Deutschland kein Geld für seine Hochschulen haben. Österreich habe eine ausgeglichene Bilanz, es würden auch viele heimische Studenten ins Ausland gehen, sagte er. Stattdessen solle das Problem mit der Einführung von Zulassungsbeschränkungen für Fächer behoben werden, für die in Deutschland ein Numerus clausus gelte. Zudem würde der Minister gerne wieder Studiengebühren erheben, die aber der sozialdemokratische Koalitionspartner SPÖ und dessen Bundeskanzler Werner Faymann ablehnen.

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