Ärzte Zeitung online, 13.11.2009

Arte-Themenabend "Burnout": Schuften bis zum Umfallen

HAMBURG (dpa). Burnout war vor wenigen Jahren in Deutschland noch ein Fremdwort. Heute ist fast jeder Betrieb davon betroffen, weil nicht nur Führungskräfte, sondern Arbeitnehmer auf allen Ebenen über Stress, Druck und Überlastung klagen.

Psychische Erkrankungen infolge von Arbeitsstress sind in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent angestiegen, rechnet der Fernsehsender Arte vor und hat daher für diesen Dienstag von 21 Uhr an einen Themenabend mit mehreren Beiträgen ins Programm genommen.

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem drohenden Abstieg, treibt die Menschen zu immer mehr Leistung an. Die Arbeitswelt, sagt der Göttinger Soziologe Professor Michael Schumann auf Arte, kennzeichne sich durch eine wachsende Grausamkeit gegenüber dem Individuum. In Unternehmen werde gewaltig gemobbt, verbogene Rückgrate seien von Vorteil, die Spielchen von Ausgrenzung und Zuneigung alltäglich und die Angst vor Burnout weit verbreitet.

In großem Maß verantwortlich sind die modernen Techniken. Der Arbeitnehmer ist ihr Sklave geworden. Wer nicht mitrudert, geht unter. Für viele ist es heute selbstverständlich, dass sie auch abends und am Wochenende erreichbar sind. Sie sind es gewöhnt, E-Mails rund um die Uhr über Web oder Smartphones abzurufen. Projekte koordinieren, Termine vereinbaren, Fragen beantworten, Entscheidungen treffen - all das kann heutzutage simultan geschehen. Doch der Preis ist mitunter hoch.

Im ersten Film um 21 Uhr, "Ausgebrannt - Wenn nichts mehr geht", geht der Autor Ingolf Gritschneider der Frage nach, ob der Fall France Telecom in Deutschland Parallelen nach sich zieht. Bei der französischen Telefongesellschaft haben innerhalb von 18 Monaten 24 Mitarbeiter Selbstmord verübt. In ihren Abschiedsbriefen berichteten sie über unmenschliche Arbeitsbedingungen. "Doping für den Job" heißt die um 21.45 Uhr anschließende Reportage, die zeigen soll, dass Drogen wie Neuro-Enhancer auch Arbeitnehmern als Fitmacher dienen.

Eine schwere Entscheidung ist es trotz des Stresses, sein bisheriges Arbeitsumfeld zu verlassen. Es ist häufiger mit sozialem Abstieg und weniger Einnahmen verbunden. "Adieu Karriere - Glückliche Absteiger" heißt Marion Schmidts Beitrag um 22.15 Uhr, in der die Autorin Beispiele von Aussteigern schildert. Olaf war früher Bauleiter und fertigt nun handgemachte Lampen, Meike hat einmal Software produziert und veranstaltet jetzt in Hamburg Hafentouren, und Claus, ehemaliger Stern am Himmel der New Economy, fotografiert in seinem zweiten Berufsleben Kinder. Sind sie heute glücklich?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »