Ärzte Zeitung, 24.11.2009

Vom Siegeszug der Gleitsichtgläser

Für seine Idee, Gleitsichtgläser mit komplexen Kurven zu schaffen, erntete der heute 83 Jahre alte Augenoptiker Bernard Maitenaz vor 50 Jahren nur Kopfschütteln.

zur Großdarstellung klicken

Foto: Marzanna Syncerz©www.fotolia.de

FREIBURG (dpa). Die Oma hat früher abwechselnd Lesebrille und Fernbrille auf die Nase gesetzt. Oder sie blickte durch ein dickes Glas, das in zwei Teile geteilt war. Mit dem oberen Teil beobachtete sie das Enkelkind, mit dem unteren las sie die Zeitung oder fixierte ihre Stricknadeln. Das änderte sich vor genau 50 Jahren: Bernard Maitenaz erfand die sogenannten Gleitsichtgläser, mit denen Alterssichtige ohne Übergänge in alle Entfernungen blicken können.

1959 ging die Firma Essilor mit den Gleitsichtbrillen auf den Markt. "Die Idee zu den Gleitsichtgläsern kam mir, als ich aus Neugier einmal die Bifokalbrille meines Vaters auf die Nase gesetzt hatte", erläutert der heute 83 Jahre alte Augenoptiker und Maschinenbauer Maitenaz. "Heute sind 27 Prozent der in Deutschland verkauften Brillengläser Gleitsichtgläser", sagt Stefan Schicke, Geschäftsführer der Essilor GmbH Deutschland.

Vor 50 Jahren hatten die Optiker Schwierigkeiten damit, die Gläser präzise genug einzupassen, wie Maitenaz berichtet: Für die komplizierten Berechnungen gab es auch noch keine Computer, sondern nur Papier, Stifte und Rechenschieber.

Wissenschaftler, Ärzte und Augenoptiker fanden die seitlichen Verzerrungen an den Glasrändern am Anfang nicht akzeptabel. "Ich habe schon damals entgegnet, dass das Sehen nicht nur im Auge, sondern vor allem im Kopf stattfindet", sagt der französische Tüftler.

"Mit ein wenig Übung ist unser Gehirn in der Lage, die Verzerrung am Bildrand auszublenden, so dass sie nicht mehr bewusst wahrgenommen wird", erläutert er.    

Topics
Schlagworte
Panorama (33051)
Organisationen
Essilor International (6)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »