Ärzte Zeitung online, 23.11.2009

Kein Ende bei Berliner S-Bahn-Chaos

BERLIN (dpa). Ein erneuter Unfall bei der Berliner S-Bahn bringt die Pläne zur Normalisierung des Nahverkehrs in der Hauptstadt durcheinander. Am Sonntagmorgen gegen 3.45 Uhr entgleiste am Bahnhof Grünau ein unbesetzter Zug, sagte eine Sprecherin der S-Bahn und bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Morgenpost".

Zwar werde der fast normale Fahrplan von Montag an wie angekündigt eingehalten. Allerdings müssten auf den Strecken S1 und S2 verkürzte Züge eingesetzt werden, räumte sie ein. Auch im Regional- und Fernverkehr müssen die Fahrgäste von Montag an mit Behinderungen rechnen, da die Bahn die Gleise auf der Stadtbahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Ostbahnhof erneuern will.

Bei einer Rangierfahrt ohne Fahrgäste sprang nach Angaben der Sprecherin am Sonntagmorgen der zweite Wagen des Zuges im Bereich einer Weiche aus dem Gleis. Die Ursache sei noch unklar. Weil eine Baustelle zudem zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr im Südosten Berlins führte, war der Verkehr durch den Unfall bis 8.00 Uhr auf den Linien S8, S9 und S46 massiv eingeschränkt. Ob erneut ein Radbruch die Ursache war, wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Der entgleiste Zug zählte allerdings nicht zur anfälligsten Baureihe 481.

Erneut schaltete sich das Eisenbahnbundesamt aus Bonn ein. Die Ermittlungen gingen in drei Richtungen, sagte der Sprecher des Bundesamtes, Ralph Fischer, am Sonntag dem RBB-Programm "Fritz". Es würde einerseits das Fahrzeug untersucht, andererseits Infrastruktur wie Weichen und Gleise. Außerdem würden Betriebsabläufe überprüft. Ob es einen Zusammenhang gebe zu früheren S-Bahn-Unfällen sei noch unklar.

Die Verkehrsexpertin der Grünen-Fraktion, Claudia Hämmerling, forderte den rot-roten Senat auf, "der Bahn endlich den dicken Daumen zu zeigen". Der Senat müsse endlich den Verkehrsvertrag mit der S- Bahn kündigen und die Strecken ausschreiben, sagte Hämmerling am Sonntag. Die Bahn als Mutterkonzern sei offenbar nicht bereit, die Grundsatzentscheidungen zu treffen, die Geld kosteten wie mehr Personal und mehr Wartungen.

Eigentlich wollte die S-Bahn von Montag an ihren früheren Normalfahrplan wieder zu 95 Prozent einhalten. Dann sollten weitere Züge aus den Werkstätten in den Verkehrsbetrieb zurückkehren und 858 Wagen im Einsatz sein - 44 mehr als bisher. Nun wird es auf den Strecken zwischen Frohnau und Wannsee (S1) sowie zwischen Buch und Lichtenrade (S2) am Montag im Berufsverkehr wieder eng werden. Seit Monaten kann die S-Bahn Berlin nur stark eingeschränkt fahren. Der Notbetrieb ist eine Folge von Überprüfungen der Räder und Achsen der Züge, weil die S-Bahn die Waggons nicht ordnungsgemäß gewartet hat.

In diesem Zusammenhang sprach sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Sonntag deutlich gegen weitere Privatisierungen aus. Am Beispiel der Berliner S-Bahn könne man sehen, "wohin es führt, wenn ein Staatsunternehmen zur kurzfristigen Gewinnmaximierung ausgepresst wird", sagte Ramsauer der Zeitschrift "Super Illu".

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