Ärzte Zeitung online, 24.11.2009

Humanitäre Tragödie im Ostkongo

NAIROBI (dpa). Im Ostkongo dauert trotz Berichten über eine militärische Stabilisierung die humanitäre Tragödie an. Für die Zivilbevölkerung habe sich seit dem Ende der großen Rebellenoffensive im vergangenen Herbst nicht viel verändert, betonte Banu Altunbas, Leiterin des Einsatzteams der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Ostkongo, am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Mehr als eine halbe Million Menschen seien allein seit einer Offensive der Regierungstruppen gegen Hutu-Milizen zu Jahresbeginn geflohen, insgesamt lebten derzeit etwa eine Million Menschen im Ostkongo in Flüchtlingslagern.

Bewaffnete Gruppen, aber auch Banditen setzen den Terror gegen die Zivilbevölkerung unvermindert fort, sagte Altunbas. "Unsere Patienten berichten von Vergewaltigungen, von Plünderungen, Entführungen und Folter. Viele leben in ständiger Angst und Unsicherheit." Allein in den vergangenen zwölf Monaten seien in den Kliniken der Ärzte ohne Grenzen in Kivu mehr als eine halbe Million Menschen behandelt worden, darunter mehr als 5300 Opfer sexueller Gewalt und mehr als 10 000 unterernährte Kinder.

Im Ostkongo kämpfen seit Anfang 2007 verschiedene Rebellengruppen und Regierungstruppen. Menschenrechtsorganisationen werfen allen Konfliktparteien Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung vor.

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