Ärzte Zeitung online, 11.12.2009

Europas Pflanzenwelt verarmt

HALLE/SAALE (eb). Mit steigenden Artenzahlen durch das Einwandern neuer Pflanzenarten werden die Floren vieler Europäischer Regionen einander immer ähnlicher. Immer häufiger kommen die gleichen Arten vor, seltene Arten sterben dagegen aus. Doch nicht nur die Artengemeinschaften werden sich immer ähnlicher, sondern auch die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Regionen, schreiben Wissenschaftler des EU-Forschungsprojektes DASIE in einer aktuellen Publikation.

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Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), eine Nordamerikanische Auenpflanze, wurde in Europa als Ziepflanze eingeführt. Sie verbreitet sich erfolgreich auf Brachflächen.

Foto: André Künzelmann/UFZ

Im Rahmen des EU-Projektes DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) wurden in den vergangenen Jahren zum ersten Mal für die Länder Europas alle bekannten Invasionsarten erfasst. Am Projekt waren Forschungseinrichtungen und Organisationen aus 15 Nationen beteiligt.

Nun werteten die Wissenschaftler Daten der in Europa heimischen Flora, ausgestorbener Arten und eingewanderter Pflanzen aus. So sind seit 1500 zu den etwa 11 000 heimischen europäischen Pflanzenarten etwa 1600 neue, nicht-europäische Arten dazugekommen. Dabei betrachteten die Forscher auch solche europäischen Pflanzen, die in einer Region Europas einheimisch und in einer anderen als eingeschleppt gelten. Ähnlich verhält es sich mit den ausgestorbenen Arten. Während in ganz Europa nur zwei Pflanzenarten als "wirklich" ausgestorben gelten, sind etwa 500 Arten regional verschwunden.

Wie die Forscher zeigen konnten, steigt zwar die Artenvielfalt in allen Regionen Europas aufgrund der hohen Zahlen eingeschleppter Arten an, doch gleichzeitig werden sich die Pflanzengemeinschaften der Regionen immer ähnlicher, da sich die eingeschleppten Arten relativ gleichmäßig über den Kontinent verteilen. Es kommt zur sogenannten biologischen Homogenisierung. Das Bemerkenswerte daran ist, dass nicht nur die Vielfalt zwischen den Artgemeinschaften geringer wird (taxonomische Homogenisierung), sondern auch die Vielfalt der Verwandtschaftsverhältnisse sinkt.

Eine hohe Vielfalt ermöglicht es der Artengemeinschaft, auf Umweltveränderungen wie etwa den Klimawandel zu reagieren. Bei abnehmender Vielfalt nimmt man an, dass auch die Flexibilität der Gemeinschaft abnimmt, auf diese Veränderungen positiv zu reagieren. Die Forscher vergleichen das mit einer Monokultur aus den gleichen Pflanzen, die durch einen einzigen Schädling vernichtet werden kann. Vereinfacht gesagt hat der Stammbaum der in Europa vorkommenden Arten zwar mehr Zweige, diese gehen aber von nur noch wenigen großen Ästen ab.

Zum Abstract der Originalpublikation "Losing uniqueness: Plant extinctions and introductions lead to phylogenetic and taxonomic homogenization of the European flora"

Zur Datenbank gebietsfremder Arten in Europa (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe - DAISIE)

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