Ärzte Zeitung online, 09.12.2009

Kultusminister fordern Reform des Bachelor-Studiums

BERLIN/BONN (dpa). Die Kultusminister der Länder fordern von den Hochschulen eine Reform der umstrittenen Bachelor-Studiengänge. Diese müssten insgesamt studierbarer werden. Stofffülle und Prüfungszahl sollten begrenzt und die Studienzeiten insgesamt flexibler gestaltet werden.

Dies sieht das neue bundesweite Konzept für die Bachelor- und Masterstudiengänge vor, das die Kultusminister an diesem Donnerstag in Bonn beschließen wollen. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Für Donnerstag haben die seit Wochen protestierenden Studenten erneut eine bundesweite Demonstration in Bonn angekündigt. Die Studenten wollen die Kultusminister wegen der zahlreichen Probleme an den Universitäten zum "Nachsitzen" zwingen. Streit mit der Polizei gibt es noch wegen des Ortes der Abschlusskundgebung. Zur gleichen Zeit tagt in Bonn die Europäische Volkspartei (EVP) mit mehreren EU-Staats- und Regierungschefs.

Nach den Vorstellungen der Kultusminister soll das Bachelor-Studium von den Hochschulen nicht einheitlich auf sechs Semester begrenzt werden. Je nach Fach könne es auch sieben oder acht Semester dauern. Die Gesamt-Regelstudienzeit einschließlich des Masterabschlusses soll allerdings weiter fünf Jahre betragen.

Die Hochschulen sollten das Studium so organisieren, dass ein Student nicht länger als 32 bis 39 Stunden pro Woche mit Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Praktika und Selbststudium beschäftigt ist, heißt es in dem Papier der Kultusminister weiter. "Die Hochschulen haben die Studierbarkeit des Studiums innerhalb dieses Rahmens unter Berücksichtigung der Arbeitsbelastung der Studierenden im Akkreditierungsverfahren darzulegen und regelmäßig in ihrer Angemessenheit zu überprüfen." Die Akkreditierung eines Studienganges durch eine unabhängige Institution soll der Qualitätskontrolle dienen.

Umstritten in der Kultusministerkonferenz ist hingegen noch, ob die Hochschulen nach dem Bachelor-Abschluss für die Fortsetzung der Ausbildung in einem Masterstudiengang "weitere Zugangsvoraussetzungen bestimmen" können. Die Abschaffung dieser zusätzlichen Zugangshürden zum Master ist eine Kernforderung des studentischen Protestes. Viele Studenten befürchten, dass sie allein mit dem Bachelor-Abschluss schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und auch andere Kultusminister haben sich für einen freien Zugang zum Masterstudium ausgesprochen. Vor allem die Universitäten wollen hingegen an den Master-Zulassungsbeschränkungen festhalten.

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