Ärzte Zeitung online, 10.12.2009

Zivildienst-Beauftragter für freiwillige Verlängerung

HANNOVER (dpa). Der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Jens Kreuter, hat eine Verlängerung des Zivildienstes um einen sechsmonatigen freiwilligen sozialen Einsatz vorgeschlagen. "Ein Zivildienst von sechs Monaten führt zu einer biografischen Lücke", erklärte er.

Für viele junge Männer drohe ein mehrmonatiger Leerlauf, da die meisten Studiengänge inzwischen nur noch im Herbst starteten. "Ich setze mich dafür ein, dass es eine pragmatische Lösung für einen freiwilligen Einsatz im Anschluss an den Zivildienst gibt", sagte Kreuter am Mittwoch in Hannover. Die der Bundesregierung will von 2011 an den Wehr- und Zivildienst auf sechs Monate verkürzen.

"Auf keinen Fall darf am Wehrdienst festgehalten werden, weil der Zivildienst so eine tolle Sache ist", sagte Kreuter. Der Zivildienst selbst solle attraktiv und in hoher Qualität beibehalten bleiben. In Deutschland gibt es jährlich rund 90 000 Zivildienstleistende, die Tendenz ist laut Kreuter leicht steigend. Die monatliche Vergütung der vor allem in Sozialeinrichtungen eingesetzten jungen Männer liegt zwischen 300 und 500 Euro.

Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann möchte das freiwillige soziale Jahr angesichts der geplanten Verkürzung des Zivildienstes ausbauen. "Mein Plädoyer ist es, anstelle eines Pflichtdienstes das freiwillige soziale Jahr zu etablieren", sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Die Zukunft liegt in der Freiwilligkeit." Die geplante Verkürzung stelle die diakonischen Einrichtungen vor eine Herausforderung. Ein Dienst von sechs Monaten sei wegen der nötigen Einarbeitungszeit und dem ständigen Wechsel der Bezugspersonen für Menschen in Pflegeeinrichtungen problematisch.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Der Anfang vom Ende des Zivis: Welche Einschnitte muss die Pflege verkraften?

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