Ärzte Zeitung online, 11.12.2009

Epileptischer Anfall als Kunstereignis?

LONDON (dpa). Makaberes Experiment: Eine Tänzerin will auf der Bühne einen epileptischen Anfall herbeiführen und ihn somit zur Kunst erklären. Rita Marcalo, die selbst an der Krankheit leidet, begann am Freitag in einem Theater im englischen Bradford mit ihrer 24 Stunden langen Performance.

Marcalo hat seit einem Monat ihre speziellen Medikamente nicht mehr genommen. Der Anfall sollte außerdem durch Faktoren wie stroboskopisches Licht, Alkohol oder Schlafentzug hervorgerufen werden.

Mit der Aktion wolle die Künstlerin auf ihre "versteckte Krankheit" aufmerksam machen, erklärte das Theater Bradford Playhouse. Hilfsorganisationen kritisierten das Vorhaben scharf. Das Arts Council, der öffentliche Kunstfonds, unterstützt die Aktion jedoch mit umgerechnet mehr als 15 000 Euro. Das Projekt schärfe das Bewusstsein für eine Behinderung, sagte eine Sprecherin.

Wenn es bei der Show "Involuntary Dances" (unfreiwillige Tänze) zu dem Anfall kommt, sollen die Lichter angehen, ein Alarm schrillt und das Ganze wird von mehreren Kameras aufgenommen. Die Besucher sind aufgerufen, mit ihren Mobiltelefonen zu filmen. Ein geschultes Erste-Hilfe-Team steht den ganzen Tag bereit, betonte das Theater. Das Interesse schien jedoch nicht allzu groß: Zu Beginn der Show versammelten sich nur rund 20 Zuschauer.

Die britische Gesellschaft für Epilepsie (National Society for Epilepsy) wies jedoch auf die Gefahren eines Anfalls hin. Dieser könne Verletzungen hervorrufen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Auch könnten andere Menschen dem Beispiel folgen, was "tragische Konsequenzen" hätte. Auch die Organisation Charity Epilepsy Action verurteilte die Show und rief die Künstlerin auf, davon abzulassen.

www.bradfordplayhouse.co.uk

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fischkuss bringt Angler fast um

Ein Hobbyfischer zieht eine kleine Seezunge aus dem Wasser. Kurz darauf steht sein Herz still – aber nicht vor lauter Anglerglück, wie Ärzte bald herausfinden. mehr »

Erste Beschwerden gegen Facebook und Google

Unmittelbar nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat der Verein "Noyb" erste Anzeigen gegen Google und Facebook wegen "Zwangszustimmungen" auf den Weg gebracht. mehr »

CRISPR/Cas-Methode - Zwischen Zauberwerk und Hexenkunst?

Die CRISPR/Cas-Methode könnte hohen therapeutischen Nutzen stiften. Sie lässt aber auch Allmachtsfantasien blühen. Der Ethikrat sieht dies skeptisch und fordert mehr Regulierung. mehr »