Ärzte Zeitung, 17.12.2009

Flirtwillige Patienten googeln Vorlieben ihrer Ärzte

Auch Ärzte sollten in sozialen Netzen wie Facebook nicht allzu offenherzig sein - davor warnt eine britische Ärzteorganisation.

FRANKFURT/MAIN (Smi). Was sollte ein Arzt im Netz von sich preisgeben? Kaum etwas - so der Appell einer britische Ärzteorganisation, nachdem publik wurde, dass flirtwillige Patienten oft die persönlichen Vorlieben ihrer Ärzte im Internet ausspionieren.

Eine Hausärztin suchte kürzlich Rat bei der Medical Defence Union (MDU), weil ihr ein 30-jähriger Patient nachstellte, den sie wegen eines Schleudertraumas behandelt hatte. Nach der Therapie erhielt sie plötzlich einen Strauß Lilien, ihre absoluten Lieblingsblumen, wie der britische Sender BBC berichtet. Dann schenkte ihr der Verehrer ausgerechnet ein Reisebuch - die Ärztin liebte Reisebücher. Bald schwante ihr, dass ihr Patient ihre Vorlieben nur von ihrer Facebook-Seite her kennen konnte.

Die MDU riet ihr, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen und ihren Verehrer, sollte er sie noch einmal behelligen, an einen ihrer Kollegen zu verweisen. "Wir weisen unsere Mitglieder darauf hin, wie wichtig es ist, die Beziehung zu ihren Patienten auf einer professionellen Basis zu belassen", so eine Sprecherin.

Aber nicht nur die Intimsphäre der Ärzte sieht die Organisation durch soziale Netze gefährdet, sondern auch die Persönlichkeitsrechte von Patienten. Denn manche Ärzte nutzten Internetplattformen dazu, im Chat mit Kollegen Dampf abzulassen. Sie verkennen dabei, dass viele der so genannten privaten Foren für jedermann einsehbar sind.

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