Ärzte Zeitung online, 22.12.2009

Haftbefehl gegen Vater in Chinas Milchskandal

PEKING (dpa). Chinas Behörden haben Haftbefehl gegen den Vater eines erkrankten Kindes erlassen, der den anderen Betroffenen des Skandals um vergiftetes Milchpulver mit einer Website helfen wollte. Nach seiner Festnahme vor gut einem Monat ist Zhao Lianhai aus Peking damit formell in Haft genommen

Das berichtete die in Hongkong ansässige Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD) am Dienstag. Zhaos Sohn gehörte zu den mehr als 300 000 Kindern, die 2008 durch gepanschte Milch erkrankt waren, in der die Industriechemikalie Melamin enthalten war.

Mit seiner Website "Nierensteinbabys" (Jieshi Baobao) hatte Zhao Lianhai versucht, die Familien der Opfer online zu organisieren, um deren Forderung nach einer Entschädigung Nachdruck zu verleihen. Bei seiner Festnahme im November hatte die Polizei sein Haus durchsucht und unter anderem zwei Computer beschlagnahmt.

Der Haftbefehl sei am 17. Dezember erlassen worden, berichtete CHRD. Das Vorgehen der Behörden deutet darauf hin, dass Zhao Lianhai vor Gericht gestellt werden soll.

Der Skandal war 2008 wegen der Olympischen Spiele in Peking vertuscht worden, während immer mehr Kinder durch die vergiftete Milch an Nierenleiden erkrankten. Mindestens sechs Säuglinge sind nach offiziellen Angaben gestorben. Inzwischen sind zwei Verantwortliche zum Tode verurteilt und im November hingerichtet worden. Insgesamt 21 Menschen sind wegen der Panscherei, mit der ein höherer Proteingehalt der Milch vorgetäuscht wurde, vor Gericht gestellt und verurteilt worden.

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