Ärzte Zeitung online, 28.12.2009

Nach dem Sturz: Papst macht ersten Ausflug

ROM (dpa). Drei Tage nach seinem Sturz im Petersdom hat Papst Benedikt XVI. unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen einen ersten Ausflug aus dem Vatikan gemacht. Benedikt fuhr am Sonntag in den belebten römischen Stadtteil Trastevere, um gemeinsam mit Armen in der Mensa der katholischen Laien-Gemeinschaft Sant'Egidio zu speisen.

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Streng bewacht machte Papst Benedict XVI. am Sonntag seinen ersten Ausflug nach dem Sturz am Heiligabend.

Foto: dpa - Bilfunk

Unter Druck waren bei diesem päpstlichen Auftritt die italienische Polizei und die Sicherheitsbeamten des Vatikans: In der Heiligen Nacht war es einer 25-jährigen Frau gelungen, die Sperren im Dom zu überwinden, sich auf Benedikt zu stürzen und ihn zu Fall zu bringen.

Benedikt zeigte in Trastevere keine Berührungsängste: Lächelnd näherte er sich den Absperrungen und begrüßte die auf ihn wartende Menge und vor allem einige Kinder. An seiner Seite war der Chef der Vatikan-Polizei, Domenico Giani. Der Vatikan hatte nach dem Vorfall erklärt, der Papst könne nicht hundertprozentig geschützt werden.

Die verwirrte Italo-Schweizerin wird nach ihrem Angriff jetzt psychiatrisch untersucht. Von ihrer Zurechnungsfähigkeit werde es abhängen, ob sich die Frau strafrechtlich verantworten müsse, sagte der Präsident des vatikanischen Tribunals, Giuseppe Dalla Torre, der katholischen Zeitung "L'Avvenire". Wichtig könne es dabei auch sein, dass sie unbewaffnet gewesen sei. Der Papst (82) hatte seinen Sturz unverletzt überstanden und das große Weihnachtsprogramm fortgesetzt.

Schwerer getroffen in dem Getümmel am Heiligen Abend wurde der französische Kardinal Roger Etchegaray, der auch stürzte und sich einen Bruch am Oberschenkelhals zuzog. Der 87-jährige Etchegaray musste am Sonntag in der römischen Gemelli-Poliklinik operiert werden. Sein allgemeiner Gesundheitszustand sei gut, so hieß es.

Die Täterin sei in ein Hospital in Subiaco östlich von Rom verlegt worden und müsse dort eine Woche bleiben, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Er sprach von einer "obligatorischen Behandlung".

Die "NZZ am Sonntag" berichtete, die Frau komme aus Frauenfeld zwischen Winterthur und Konstanz, wo sie zwischen 2006 und 2008 in einer sozialpsychiatrischen Wohngruppe gelebt habe. "Während des Aufenthalts bei uns gab es keinerlei Hinweise auf eine religiöse Besessenheit", wird der Heimleiter Rolf Kessler zitiert. Er sieht in ihrer "Grenzüberschreitung" dem Papst gegenüber eine seelische Krise.

Die 25-Jährige hatte sich bereits vor einem Jahr in der Mitternachtsmesse dem Papst zu nähern versucht. Sie wurde vom Sicherheitspersonal im Dom gerade noch rechtzeitig gestoppt. Der Vatikan hatte den Vorfall damals als unerheblich abgetan. Sie habe keinen gefährlichen Eindruck gemacht, sagte Lombardi. Er wisse nicht, ob juristische Schritte gegen die Angreiferin folgen: "Die Justiz des Vatikans ist im Allgemeinen sehr gnädig." Sie werde in den kommenden Tagen die Berichte der Ärzte und der vatikanischen Polizei prüfen.

Die spektakulären Bilder, die an diesem Heiligen Abend um die Welt gingen, spielte der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco, herunter: "Nichts Schwerwiegendes ist passiert, es ist der Versuch einer Frau gewesen, den Heiligen Vater zu begrüßen." Sie habe den Papst umarmen wollen, soll die Frau erklärt haben. Die Täterin habe auf Facebook im Internet bereits begeisterte Fans, so etwas müsse unterbunden werden, kritisierten italienische Politiker.

Die Sicherheit des Papstes könne aber nicht hundertprozentig gewährleistet werden, wenn man nicht wolle, dass eine Mauer zwischen dem Pontifex und den Gläubigen gezogen werde, erläuterte Lombardi. Joseph Ratzinger wolle auf die Menge zugehen, das Sicherheitspersonal könne also ähnliche Vorfälle nicht immer verhindern. Es geschieht öfter, dass katholische Gläubige versuchen, näher als erlaubt an den Papst heranzukommen. Deshalb gibt es im Vatikan strikte Kontrollen.

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