Ärzte Zeitung online, 05.01.2010

Diskussion um Körperscanner - Intimer Eingriff?

BERLIN (dpa). Videoüberwachung, biometrischer Fingerabdruck und jetzt auch noch das: Der geplante Einsatz von Körperscannern auf Flughäfen hat seit dem Attentatsversuch in einer US-Maschine Ende Dezember auch in Deutschland eine Debatte über Persönlichkeitsrechte ausgelöst.

Verletzung der Intimsphäre sagen die einen, notwendiger Schritt zur Terrorbekämpfung die anderen. Gehen einer Gesellschaft, in der Tag für Tag bereitwillig Partybilder ins Internet gestellt werden, "Nacktscanner" dann doch einen Schritt zu weit?

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix sieht einen entscheidenden Unterschied zwischen der Erosion der Privatsphäre in virtuellen sozialen Netzwerken und dem Einsatz von Körperscannern. "Wer Bilder ins Internet stellt, tut das immerhin noch freiwillig, wenn auch in Unkenntnis dessen, was mit diesen Daten passiert." Flugreisende hätten aber keine andere Wahl, als sich bei der Sicherheitskontrolle dem Scanner auszusetzen.

Der Körperscanner ist in jedem Fall ein Eingriff in die Intimsphäre, sagt Verfassungsrechtler Christian Pestalozza von der Freien Universität Berlin. "Unser Körper ist das Intimste, was wir haben." Die eigene Wohnung rechnet er der Privatsphäre zu, da sie nicht öffentlich zugänglich sei. Sobald sich jemand beispielsweise allein im Badezimmer aufhalte, sei seine Intimsphäre berührt, in die kein anderer Mensch eindringen dürfe. Dies sei beim "Nacktscanner" der Fall.

Auch das Abtasten beim Sicherheitscheck ist ein Eingriff in die Intimsphäre - daran haben sich Passagiere aber längst gewöhnt. Dabei sei die Prozedur weit unangenehmer als das Körperscannen, findet Pestalozza. Doch so lästig sie dem Einzelnen auch sein mag - die Berührung durch Sicherheitsleute ist nach einigen Sekunden vorbei. Bilder hingegen können jahrelang aufbewahrt werden. Der Verfassungsrechtler sieht hier einen ähnlichen Konflikt wie beim Streit um die Videoüberwachung.

Anders als selbst gewählte Nacktheit etwa kollektiv am FKK-Strand oder in der Sauna, löst erzwungene Nacktheit beim Menschen Schamgefühle aus, sagt Psychologin Ada Borkenhagen von der Universität Magdeburg. Wenn intime Dinge wie Brustimplantate sichtbar würden, sollten Sicherheitsbeamte genauso wie Ärzte der Schweigepflicht unterliegen. "Scham entsteht immer dann, wenn sich ein Individuum in einer Situation gesehen fühlt, in der es nicht gesehen werden möchte." Dies sei beim Körperscanner der Fall, sagt die Marburger Psychologin.

Oft gehen die Empfindungen jedoch über die bloße peinliche Berührtheit hinaus. Vor allem Muslime könnte die Prozedur unter religiösen Gesichtspunkten zu schaffen machen, glaubt Dix. "Man kann bestimmte religiöse Gruppen natürlich nicht von den Sicherheitskontrollen ausschließen", sagt er. Vorbehalte von Muslimen gegen Körperscanner müssten aber ernst genommen werden.

Für Dix sind "Nacktscanner" nur dann hinnehmbar, wenn die Passagiere auf den Bildern symbolhaft zu erkennen sind und ihr Intimbereich verpixelt ist: "Wenn jemand technisch ausgezogen wird, ist das nicht akzeptabel." Dem Datenschützer schwebt ein standardisiertes Bild vor, das aus dem nackten Passagier mit Bauchfalte ein austauschbares Strichmännchen macht. Sobald das Gerät einen verdächtigen Gegenstand feststellt, blinkt es am entsprechenden Körperteil. Bei Unverdächtigen, so die Vorstellung von Dix, würde der Scanner erst gar kein Bild produzieren.

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