Ärzte Zeitung online, 14.01.2010

Erbgut von Soja entziffert - besserer Biodiesel?

LONDON/NEW YORK (dpa). Das Erbgut der Sojabohne ist entziffert. Sie ist mit ihrem Eiweiß und Öl nicht nur eine der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen, sondern spielt auch für Biodiesel eine zunehmende Rolle.

Die Forscher hoffen, dass sich mit den Erkenntnissen leichter verdauliche Bohnen und besserer Biodiesel entwickeln lassen. Das Genom sei das erste einer Hülsenfrucht, das veröffentlicht wurde, schreiben die beteiligten Forscher von 18 Instituten im Fachjournal "Nature" (Bd. 463, S. 178) vom Donnerstag.

"Die Daten mit mehr als einer Milliarde Nukleotiden (Erbgut-Bausteinen) erleichtern uns das Verständnis, wie die Pflanze Sonnenlicht, Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser in Energie, Eiweiß und Nährstoffe für Tiere und Menschen umwandelt", sagte Anna Palmisano vom US-Energieministerium. "Das eröffnet uns die Möglichkeit, die Pflanze für die nachhaltige Produktion von Energie und Lebensmitteln zu optimieren." Mit den genetischen Codes habe die Wissenschaft auch einen besseren Zugang zu mehr als 20 000 Hülsenfruchtarten.

"Wir haben jetzt die Bauanleitung, wie eine Sojapflanze gemacht ist", sagte Gary Stacey von der Universität von Missouri. "Wichtiger ist noch, dass wir die Gene entziffern können, die wichtig sind für die Öl- und Eiweißproduktion." Er und seine Kollegen hätten mehr als 46 000 Gene identifiziert, 1110 davon spielten beim Fettstoffwechsel eine Rolle. Sojaöl sei ein sehr sauberer Brennstoff, aber die Pflanze produziere nicht genügend, um Benzin ersetzen zu können. Die Entzifferung des Erbguts könne nun eine Hilfe sein.

Künftig könne die Sojabohne auch verdaulicher für Menschen und Tiere gemacht werden. So sei der Stoff Stachyose für die Verdauung vieler ein Problem. Die Pflanze könne nun so manipuliert werden, dass sie weniger der Zuckerverbindung produziert. Innerhalb des Projektes seien noch mehr als 20 andere Pflanzen entziffert worden, darunter die für die Biomasseproduktion wichtige Balsampappel und eine Hirseart.

Zum Abstract der Originalpublikation in "Nature"

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