Ärzte Zeitung online, 15.01.2010

Haiti: ZDF berichtet über Barrikaden aus Leichen

HAMBURG (dpa). Nach dem schweren Erdbeben in Haiti befürchten die Helfer wachsende Spannungen, wenn die Hilfe nicht unverzüglich die verzweifelten Überlebenden vor Ort erreicht.

"Die Versorgung wird sich in den nächsten Stunden verschlechtern, Wasser, Nahrungsmittel, medizinische Versorgung wird jetzt dringend gebraucht - das kann, wenn nichts bereitgestellt wird, sonst zu Ausschreitungen führen", sagte am Freitag Urs Bernhard von der Hilfsorganisation World Vision im ZDF-Morgenmagazin. Im Moment sei es trotz einer katastrophalen Situation vor Ort noch weitgehend ruhig.

"Es ist ein bisschen grotesk: Die Leichen liegen am Straßenrand und auf der anderen Seite gibt es Markttreiben", erklärte Bernhard. Das ZDF berichtete zudem von Barrikaden, die aus Leichen errichtet würden. Eines der Probleme für die Helfer besteht auch nach Angaben des World Food Programs in einer Überlastung des beschädigten Flughafens der Hauptstadt Port-au-Prince. Er sei eine Art Nadelöhr bei der Kanalisierung der Hilfe. Wasser, Nahrungsmittel und Medizin seien knapp. Bisher habe ein Gefühl der Solidarität unter den Überlebenden überwogen, nun aber drohe die Stimmung zu kippen.

"Was jetzt passiert, stellt alles in den Schatten", betonte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, im ZDF. Er gehe davon aus, dass die Schätzungen von 50 000 Toten sowie zahlreichen Verletzten zutreffend seien. Die Lage in Haiti sei in vielerlei Hinsicht anders als bei anderen Katastrophen, da der Staat auch zuvor schon kaum funktionierende Strukturen hatte. Nach der Nothilfe sei daher eine Wiederaufbau-Konferenz notwendig, bei der es auch um die Frage der Katastrophen-Vorsorge gehen müsse. "Ein Euro vor der Katastrophe ersetzt vier Euro nach der Katastrophe", erklärte Seiters im ZDF-Morgenmagazin.

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