Ärzte Zeitung online, 15.01.2010

Schweine lebend im Schnee begraben: Tierversuch abgebrochen

WIEN (dpa). Wissenschaftler verschütten 29 lebendige Schweine in Schneemassen und beobachten sie beim langsamen Ersticken und Erfrieren: Dieser Tierversuch im Tiroler Ötztal hat in Österreich für Entsetzen gesorgt. Eine landesweite Protestwelle führte schließlich dazu, dass die Forscher von der Medizinischen Universität Innsbruck am Donnerstagabend ihren am Dienstag gestarteten Versuch abbrachen.

Man könne unter diesen Umständen nicht weiter arbeiten, sagte Studienleiter Peter Paal am Donnerstagabend gegenüber dpa. Ob und wann der Versuch weitergeführt werde, sei unklar. Nach Angaben des Forschers starben bisher zehn Tiere. Von dem Experiment erhofften sich die Wissenschaftler Informationen über die Umstände des Todes in Lawinen.

Die Forscher, die zunächst noch auf der Weiterführung beharrten, gaben dann am Abend dem öffentlichen Druck nach. Inzwischen seien bereits Tierschützer am Versuchsort eingetroffen, sagte Paal. Er hält das Experiment grundsätzlich für sinnvoll, da es Menschenleben retten könne. Mit dem Versuch wolle man wichtige Erkenntnisse über die Überlebenschancen von Opfern in Lawinen erlangen: "In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen", teilte die Medizin-Uni mit. Das Zusammenwirken von Kälte und Sauerstoffmangel, dem im Schnee Verschüttete ausgesetzt sind, könne nur am lebenden Organismus getestet werden, so Paal. Nach Berechnungen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit sterben in Österreich pro Jahr im Schnitt 26 Menschen den "weißen Tod".

Lesen Sie dazu auch:
Streit um Tierversuch: Schweine lebend im Schnee begraben

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