Ärzte Zeitung, 19.01.2010

Der DFB will den Kampf gegen Doping forcieren

Fußball gehört nicht zu den Sportarten, die in Statistiken ganz oben auf der Liste stehen, wenn es um Doping geht. Für den Deutschen Fußballbund ist das kein Grund, die Zügel schleifen zu lassen.

Von Christoph Fuhr

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Kompromisslos gegen Doping: Rainer Koch, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB.

Februar 2009: Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, Profis des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim, sind im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zur Doping-Kontrolle ausgelost worden. Nach dem Schlusspfiff verschwinden beide zunächst in der eigenen Kabine. Erst nach zehnminütiger Verspätung erscheinen sie im Kontrollraum. Ein klarer Verstoß gegen die Regeln. Hoffenheim wird danach zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 000 Euro verurteilt, die Sportler werden freigesprochen.

Das Kontrollsystem hat versagt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern größter Sport-Fachverband der Welt, zieht aus diesen Vorfällen Konsequenzen. Dazu gehört auch die Einführung des sogenannten Chaperon-System, erläuterte jetzt der DFB-Vize und Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission Dr. Rainer Koch bei einem Wissenschaftskongress des Verbands in Frankfurt. Chaperon-System bedeutet: Speziell eingesetzte Schiedsrichter greifen sich direkt nach Ende eines Wettkampfs die für die Dopingproben ausgewählten Sportler und begleiten sie bis zum Ende des Tests auf Schritt und Tritt.

Noch 1988 machte der DFB in Spielen der ersten bis dritten Liga lediglich 89 Wettkampfkontrollen. Ende der Saison 2009/2009 wurden bereits 1428 Kontrollen verbucht. Drastisch ausgeweitet wurden auch unangemeldete Tests im Training. "Intelligent" sollen diese Kontrollen sein, hieß es beim Kongress in Frankfurt, - das bedeutet, dass sie vor allem in wettkampffreien Zeiten - und damit dopingsensiblen Phasen - gemacht werden.

In keiner Sportart gibt es so viele Dopingkontrollen wie im Fußball, nämlich etwa 20 000 pro Jahr, so der Weltfußballverband FIFA nicht ohne Stolz. Weniger als ein Prozent davon seien positive Dopingfälle, bei weitem am häufigsten handele es sich um Freizeitdrogen wie Marihuana und Kokain.

Professor Wilfried Kindermann, Ex-Chefarzt der deutschen Olympia-Mannschaft und früherer Teamarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat bereits vor zwei Jahren bezweifelt, dass im Fußball flächendeckend gedopt werde. Und dennoch: "Der Fußball darf sich nicht selbstzufrieden zurücklehnen, weil auch er keine dopingfreie Zone ist", sagte er.

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Spektakulärer Flug: Bundesligaprofi Andreas Ibertsberger von TSG Hoffenheim kam im Februar 2009 verspätet zu einer Dopingkontrolle. Er war unschuldig, sein Fall sorgte aber dennoch für Veränderungen im Kontrollsystem. © dpa (2)

Der DFB setzt deshalb verstärkt auch auf Aufklärung im Jugendbereich. Doping-Kontrollärzte werden in dieser Saison erstmals Schulungen in der A- und B-Junioren-Bundesliga anbieten.

"Doping ist eher ein Problem der zweiten oder dritten internationalen Reihe", erläuterte in Frankfurt Professor Eike Emrich, Volkswirtschaftler, Soziologe und Sportlehrer aus Saarbrücken. "Je höher die Leistungsklasse, um so geringer die Dopingefahr", sagte er.

Die Fußballer selbst müssen auch mit Blick auf ihre Ernährung wachsam sein, damit sie nicht zu Unrecht in die Mühlen des Kontrollsystems geraten. Die Nationale Dopingagentur NADA etwa, mit der der DFB eng zusammenarbeitet, warnt vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Einige NEM können Steroidhormone oder deren Vorläufersubstanzen enthalten, die dem Dopingverbot unterliegen. Das kann bei einer Kontrolle böse Folgen haben, denn das Risiko trägt immer der Sportler.

DFB-Vize Koch warnte in Frankfurt abschließend davor, das Dopingproblem zu unterschätzen: "Schon ein einziger Dopingfall im Fußball ist ein Fall zu viel!"

Informationen: www.nada.bonn.de,

www.Koelnerliste.com

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Wie tief ist der Doping-Sumpf?

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