Ärzte Zeitung online, 20.01.2010

"Plasma-Jet" in der Zahnmedizin könnte Bohrer ersetzen

HOMBURG/LEIPZIG (dpa). Der Einsatz von Plasma in der Zahnmedizin könnte künftig eine Alternative zum unangenehmen und mitunter schmerzhaften Einsatz von Bohrern werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung in Leipzig und der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg haben in Versuchen die Wirksamkeit eines sogenannten "Plasma-Jets" geprüft (J Med Microbiol 59, 2010, 206).

In dem Gerät wird Helium durch eine enge Düse geleitet und mit Mikrowellen angeregt, sodass es den nach fest, flüssig und gasförmig vierten Aggregatzustand, das Plasma, erreicht. Mit dem feinen Strahl kann die Oberfläche eines Zahnes gründlich und desinfizierend von schädlichen Bakterien gereinigt werden, ohne die Oberfläche zu beschädigen.

Dennoch werde die Zahnoberfläche durchlässig, etwa für Medikamente, erklärte der Leiter der Forschungsgruppe, der Zahnmediziner Stefan Rupf aus dem saarländischen Homburg. Damit könnte die Behandlung unter anderem von Karies erheblich verbessert werden. Bislang werde die infizierte Zahnsubstanz mit dem Bohrer entfernt. Mit der neuen Technik ließe sie sich wesentlich schonender und effektiver behandeln. Bislang sei das Verfahren nicht an Patienten getestet worden, bis zur Marktreife brauche es noch einige Jahre, sagte Rupf.

Plasma kommt derzeit etwa beim Schneiden von Stahl zum Einsatz, aber auch in anderen Bereichen der Medizin. Mittlerweile können auch "kalte" Plasmastrahlen erzeugt werden. Das Gerät für die Zahnmedizin erreiche Temperaturen von 30 bis 40 Grad Celsius. "Damit ist die Temperatur körperkompatibel", sagte Rupf. Das sei wichtig, weil jede Beschädigung etwa von Nerven durch zu große Hitze unbedingt vermieden werden müsse.

Der Abstract der Originalpublikation "Killing of adherent oral microbes by a non-thermal atmospheric plasma jet" wird am Mittwoch, 20.01.2010 auf www.jmm.sgmjournals.org erscheinen

Topics
Schlagworte
Panorama (27030)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

1,4 Millionen Krebstote für 2019 erwartet

In diesem Jahr könnten in der gesamten EU mehr Menschen an Krebs sterben als noch vor Jahren. Doch es gibt auch eine gute Entwicklung. mehr »

Um den ÖGD steht es schlecht

Große Sorgen um den Öffentlichen Gesundheitsdienst äußern Bundesärztekammer und Robert Koch-Institut anlässlich des heutigen ersten „Tags des Gesundheitsamtes“. mehr »

Viel fernsehen erhöht Darmkrebs-Risiko

Bewegen sich Menschen, die jünger als 50 sind, wenig, steigt offenbar ihr Risiko für Darmkrebs. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Nurses' Health Study. mehr »