Ärzte Zeitung online, 22.01.2010

1,35 Millionen Euro Landesförderung gegen Medikamentenfälschungen

BOCHUM (eb). Gefälschte Medikamente sind ein wachsendes Problem und verursachen nicht nur enormen finanziellen Schaden, sondern können auch gesundheitlich gefährlich für Anwender sein. Um Fälschungen künftig sicher zu erkennen, entwickeln Forscher derzeit winzige Kennzeichnungen, die automatisiert etwa bei der Einfuhr geprüft werden können.

1,35 Millionen Euro Landesförderung gegen Medikamentenfälschungen

Tabletten - eine wie die andere. Vor Fälschungen sollen künftig winzige Kennzeichnungen schützen. © Franz Pfluegl / fotolia.com

In dem Projekt arbeiten Terahertz-Forscher der Ruhr-Universität um Prof. Dr. Martina Havenith-Newen gemeinsam mit Industriepartnern.

Sie werden dabei für zweieinhalb Jahre mit insgesamt 1,35 Millionen Euro aus dem Ziel II-Programm des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW und der EU unterstützt.

Fälschung in Originalverpackung

Wer Arzneimittel im Internet bestellt, hat bekanntlich gute Chancen, auf eine Fälschung hereinzufallen. Es gibt aber auch schon Fälle, in denen gefälschte Medikamente ohne das Wissen des Apothekers in Apotheken verkauft wurden, wie die Universität Bochum mitteilt. "Zum Teil werden die Fälschungen in Originalverpackungen verkauft, das macht es immer schwieriger sie zu erkennen", sagt Dr. Jens Soetebier vom Applied Competence Cluster Terahertz der Uni Bochum. Der Schaden durch solche Produktpiraterie wird auf 17 bis 25 Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend. Und damit nicht genug: Die Fälschungen enthalten teils gar keine Wirkstoffe, teils sogar giftige Inhaltsstoffe.

Nachahmungen unrentabel machen

Die Forscher wollen daher ein Verfahren entwickeln, das Arzneimittelfälschungen und gefälschte Markenprodukte aufdeckt. Es soll auf einer Kombination von zerstörungsfreien Analysemethoden basieren, die die schnelle und sichere Unterscheidung von Originalprodukten und Fälschungen zum Beispiel beim Zoll ermöglicht. "Das Verfahren würde eine erfolgreiche Fälschung so teuer machen, dass Nachahmungen unrentabel werden", so Soetebier.

Das bedeute eine deutlich verbesserte Arzneimittelsicherheit und somit die Vermeidung von Gesundheitsschäden und damit einhergehenden Kosten für das Gesundheitssystem.

Projektpartner sind das Applied Competence Cluster Terahertz der Ruhr-Universität Bochum, das Bochumer Unternehmen SCI-Concept und die Pharmapatentspezialisten a3LEX.

Informationen zu ACC Terahertz: www.ruhr-uni-bochum.de/acc/terahertz/

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »