Ärzte Zeitung online, 26.01.2010
 

Spätfolgen für Arbeiter nach Uran-Störfall unklar

MÜNSTER (dpa). Nach dem Störfall in Deutschlands einziger Uranfabrik in Gronau muss ein radioaktiv kontaminierter Arbeiter weiter um seine Gesundheit bangen. Ärzte stellten bei Untersuchungen am Montag zwar keine Frühschäden an der Lunge des 45-Jährigen fest, konnten aber mögliche Spätfolgen nicht ausschließen.

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen die Betreiberfirma Urenco. Der Verdacht laute auf Freisetzen ionisierender Strahlung, bestätigte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer einen Bericht der "Frankfurter Rundschau" (Dienstagsausgabe). Wegen fahrlässiger Körperverletzung werde nicht ermittelt, weil es noch keinen Strafantrag gebe.

Der bei dem Störfall radioaktiv verstrahlte Arbeiter wurde zur weiteren Risikoabschätzung und Beobachtung in die Nuklearmedizinische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorfs nach Jülich verlegt. Die Akutbehandlung sei abgeschlossen, teilte das Universitätsklinikum Münster mit. Bislang sei der Zustand des Patienten "unverändert gut". Für eine genauere langfristige Prognose sei es noch zu früh. "Generell kann es zu einer Funktionseinschränkung der Leber oder der Nieren kommen", erklärte der Direktor der Nuklearmedizin an der Uniklinik in Münster, Professor Otmar Schober.

Der Arbeiter war bei dem Störfall am vergangenen Donnerstag laut Atomaufsicht radioaktivem Uranhexafluorid in noch unbekannter Menge ausgesetzt. Das Material, das als Nebenprodukt bei der Anreicherung von Uran entsteht - und Kernkraftgegnern als "Atommüll" geläufig ist - verseuchte ihn an Armen und Beinen. Mediziner hatten nach dem Unfall Spuren von Uran im Speichel und im Urin des Mannes gefunden. Er erhalte Infusionen und trinke viel, um die aufgenommenen Substanzen schneller auszuscheiden, teilte das Krankenhaus mit.

Zur Unfallursache konnte der Betreiber der Uranfabrik, die Urenco Deutschland GmbH, noch nichts sagen. "Wir sind derzeit mit der Auswertung beschäftigt", sagte eine Sprecherin.

Seit Montagmorgen waren erstmals seit dem Zwischenfall zwei Mitarbeiter der Atomaufsicht im Gebäude der Anreicherungsanlage - zur "Beweissicherung", wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf sagte. Die Männer konnten die Anlage nun betreten, weil diese am Sonntag dekontaminiert worden war. Ersten Ergebnisse zur Unfallursache erwartet das Ministerium in den nächsten Tagen.

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