Ärzte Zeitung online, 29.01.2010

"Ärzte ohne Grenzen" rufen zu Blutspenden in Haiti auf

PORT-AU-PRINCE (dpa). In Haiti werden die Blutkonserven knapp. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" appelliert an die Menschen, Blut zu spenden. "Es wird so viel operiert, wir brauchen dringend Blut", sagte eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation, die am Freitag einen Aufruf in der Landessprache Kreolisch verbreiten wollte.

"Ärzte ohne Grenzen" hat bislang mehr als 6200 Patienten in der Erdbeben-Region behandelt und etwa 1000 Operationen vorgenommen.

"Wir müssen viel amputieren", sagt der österreicherische Dr. Chirurg Chris Schimanek. "Oft sind die Knochen so zerstört, dass es Monate dauern würde, bis sie heilen", erklärt er. Unter den hygienischen Bedingungen in Haiti sei das nicht möglich. "Wir müssen hier andere Maßstäbe anlegen und auch dann amputieren, wenn wir es in Europa vielleicht nicht tun würden", sagt er. Eine saubere Amputation und später eine Prothese sei meistens die bessere Lösung.

In den ersten Tagen nach dem Beben seien viele Gliedmaßen unter katastrophalen Bedingungen amputiert worden, teils auch ohne Betäubung und entsprechende chirurgische Instrumente. Die Patienten litten heute häufig unter Infektionen. "Die Nachsorge von Operationen ist eine unserer wichtigsten Aufgaben", sagte Avril Benoît, Sprecherin von "Ärzte ohne Grenzen". Die Hilfsorganisation "Handicap International" bemüht sich, die Herstellung von Prothesen in Haiti zu fördern.

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