Ärzte Zeitung online, 04.02.2010

Vorstand von "Ärzte für die Dritte Welt" tritt wegen Missbrauchs zurück

FRANKFURT AM MAIN (ava). Ein dritter Jesuitenpater hat jetzt zugegeben, sich in den 70er und 80er Jahren sexueller Übergriffe schuldig gemacht zu haben und ist als Vorstand des Hilfswerks "Ärzte für die dritte Welt" zurückgetreten.

In den vergangenen Tagen waren mehrere Fälle von sexuellem Missbrauchs an Schulen und Einrichtungen des Jesuitenordens in den 70er und 80er Jahren bekannt geworden. Der Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz, Pater Stefan Dartmann SJ, teilte in einer Presseerklärung mit, dass er den dritten Geistlichen - er ist der einzige Beschuldigte, der noch im Orden ist - mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert habe. Der Jesuiten-Pater habe bei der Polizei gegen sich selbst Anzeige erstattet. Er unterrichtete Anfang der 70er Jahre am Berliner Jesuiten-Gymnasium Canisius-Kolleg, war dann in Hannover, Berlin und Hamburg als Jugendseelsorger, Lehrer und in der Jugendarbeit tätig. Danach war er mehr als zwanzig Jahre lang Projektleiter von "Ärzte für die Dritte Welt".

Die Mitglieder der Organisation zeigten sich tief betroffen von dem Geständnis ihres Gründers. Auf der Homepage der Organisation ist von "einer erschreckenden Nachricht" die Rede. Generalsekretär Harald Kischlat teilte am Mittwoch in Frankfurt mit, das Hilfswerk habe erst am Dienstag in einer Mitteilung des Jesuitenordens erfahren, dass der Pater einen von ihm begangenen sexuellen Missbrauch während der 70er Jahre gestanden habe. Offensichtlich sei dies im Orden bereits seit 2005 bekannt. Der Jesuitenpater hatte die Organisation "Ärzte für die Dritte Welt" gegründet.

Im Vorstand von "Ärzte für die Dritte Welt" sei damals nur eine einzige Person informiert worden. Diese habe 2008 das Führungsgremium verlassen und sei nun mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgetreten. Allen anderen damaligen und heutigen Mitgliedern des Vorstands, des Kuratoriums, der Geschäftsleitung und des Vereins seien "diese Tatsachen" erst seit Dienstag bekannt, so Kischlat.

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