Ärzte Zeitung online, 05.02.2010

Ärztin weist Jungen mit Namen Cihad ab

DONAUESCHINGEN (dpa). Eine Ärztin in Donaueschingen (Baden-Württemberg) hat einem Jungen die Behandlung verweigert, weil er mit Vornamen Cihad heißt. Der Name bedeute "Heiliger Krieg", dies empfinde sie als Kriegserklärung an alle Nicht-Islamisten, sagte die Kieferorthopädin dem "Schwarzwälder Boten" (Freitagausgabe).

Rückblickend bereue sie allerdings, den 16-Jährigen mit Zahnspange am vergangenen Dienstag nicht behandelt zu haben: "Er kann ja nichts dafür, dass seine Eltern ihn so genannt haben."

Dem Bericht zufolge reagierten die Eltern des Jungen schockiert: Den Namen hätten sie ausgewählt, weil er ihn gefalle, nicht aus islamistischen Motiven. Islamwissenschaftlern zufolge bedeutet der Name Cihad (arabisch: Dschihad) "Bemühen um die Religion" oder auch "Bemühen um das Gute". Allerdings nehmen vielfach religiöse Fanatiker und Islamisten den Begriff, der häufig mit "Heiliger Krieg" übersetzt wird, für sich in Anspruch.

Die Landesärztekammer erklärte dem Blatt, rein rechtlich sei kein Arzt dazu verpflichtet, einen Patienten zu behandeln, außer es handelt sich um einen Notfall. Dass der Vorname Grund für eine Ablehnung sei, sei allerdings "außergewöhnlich".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Computervirus legt Klinik lahm

Das bayerische Klinikum Fürstenfeldbruck ist von einem Computervirus lahmgelegt worden. Es hatte sich daher auch von der Integrierten Leitstelle des Landkreises abgemeldet und nur dringende Notfälle aufgenommen. mehr »