Ärzte Zeitung online, 08.02.2010

Sportmediziner: Mangelnde Unabhängigkeit der Olympia-Ärzte

BERLIN (dpa). Der Mainzer Sportmediziner Professor Perikles Simon hat die mangelnde Unabhängigkeit der Ärzte im deutschen Olympia-Team beklagt. Der Streit zwischen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG um Verbandsarzt Gerald Lutz zeige, dass das medizinische Personal von den Verbänden nach intransparenten Kriterien ausgewählt werde.

Dies mache befangen und führe dazu, dass die Ärzte nicht mehr unabhängig im Sinne der Athleten arbeiten könnten, erklärte Simon im "Deutschlandfunk".

Der Sportmediziner forderte die Sportverbände auf, "sie sollen doch bitte diese Kriterien transparent machen, damit jeder weiß, dass das ein Prozess ist, der seine Ordnung hat und dass der Steuerzahler hier Geld für etwas ausgibt, das auch tatsächlich gerechtfertigt ist", sagte Simon.

Wichtig seien zum Beispiel Kriterien, was genau ein Teamarzt noch mache, ob er sicherstelle, dass der Athlet auf jeden Fall auch startet, selbst wenn das für seine Gesundheit nicht so gut ist oder ob er gewährleiste, dass der Athlet sicher nicht startet, wenn das für seine Gesundheit schlecht sei.

"Wir haben hier keineswegs eine unabhängige Person. Und zu dieser nicht unabhängigen Person, die von einem Verband kommt, gehe ich als Sportler hin und der Verband wiederum entscheidet zum Beispiel, ob ich bei Olympia starten kann oder nicht", erklärte der Mainzer und fügte hinzu: "Das ist doch genau das, was jetzt vonseiten des Verbandes kommt an die Frau Friesinger-Postma, dass man sagt, 'Hör mal her, Du musst hier gar nicht auftauchen.‘ Das sind Zustände, die sich einstellen, wenn Ärzte nicht mehr unabhängig im Sinne eines Athleten arbeiten können", sagte Simon.

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