Ärzte Zeitung online, 11.02.2010
 

Neue interdiszplinäre Studie über Generation der Kriegskinder

MÜNSTER (eb). Endlose Nächte im Bombenhagel, qualvolle Wanderungen, nachdem man aus dem Elternhaus vertrieben worden ist - die Generation, die zwischen 1930 und 1945 geboren worden sind, hat Schlimmes ertragen müssen. Doch nicht jeder wurde von den grausamen Erlebnissen traumatisiert. Ein wichtiger Faktor spielt dabei die Herkunft.

Wie zeitgeschichtliche Erfahrungen Menschen und eine Gesellschaft prägen können, haben die Psychotherapeuten Professor Gereon Heuft und Professor Gudrun Schneider sowie die Soziologen Professor Matthias Grundmann und Dr. Dieter Hoffmeister von der Universität Münster in einem interdisziplinären Projekt untersucht.

32 Prozent der Kriegskindergeneration fühlten sich durch diese Ereignisse schwer belastet, so Schneider. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Rest diese Situationen nicht mehr als traumatisch empfindet.

Ein und dasselbe Ereignis wird sehr unterschiedlich erlebt und betrachtet, so Grundmann. Es sei nicht vorhersehbar, ob ein Kriegsereignis zu einer schwere Belastung wird, die sich lebensgeschichtlich auswirkt. Ereignisse treffen auf ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlicher psychischer Stärke, so Heuft.

Zwei Faktoren spielen eine Rolle. Zum einen die Herkunft: Obere Schichten haben es leichter, sich wieder einzuleben. Und zum anderen die frühkindliche Bindungserfahrungen: Wer geliebt worden sei und Vertrauen in andere Menschen entwickelt habe, könne auch schwere Situationen leichter durchstehen. Einig sind sich die Forscher, dass ein Ereignis als nicht so belastend empfunden wird, wenn es mit anderen geteilt wird.

In der Nachkriegszeit wurde das Erlebte kollektiv verdrängt und nicht angesprochen. Man machte sich an den Wiederaufbau und hatte andere Sorgen. Jetzt, wo sich die Kriegskindergeneration mit dem Altern auseinandersetzen muss, erleben manche die schwer belastenden Erinnerungen wieder intensiv. Die Forscher nennen das die so genannte Trauma-Reaktivierung im Alter, so Heuft. Angst und Depression können die Folge sein. Geholfen wird den Betroffenen aber nur selten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tausende HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

Viele Krebserkrankungen in Deutschland ließen sich durch einen HPV-Schutz vermeiden, so RKI-Berechnungen. Das Institut rät zum Impfen - das könnte auch bei Jungen sinnvoll sein. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »