Ärzte Zeitung, 18.02.2010

Rotes Kreuz stellt sich in Haiti auf langfristiges Engagement ein

Spenden fließen in die medizinische Versorgung und den Aufbau der Infrastruktur

BERLIN (sun). Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) plant bereits jetzt die nächste Phase für die Erdbebenopfer in Haiti. So schnell wie möglich soll der Wiederaufbau beginnen. Zwei Drittel der 18 Millionen Euro Spenden will das DRK in Projekte der Gesundheitsversorgung investieren. Sechs Millionen Euro sollen in den Aufbau der Infrastruktur fließen.

zur Großdarstellung klicken

Die haitianischen Patienten können nun besser versorgt werden. © dpa

"Nach der Nothilfe geht es jetzt um den Langfristplan für einen Neubeginn in dem Karibikstaat", sagte Rotkreuz-Präsident Dr. Rudolf Seiters. Aus der Hilfe für die Tsunami-Opfer vor fünf Jahren habe man gelernt, den Wiederaufbau möglichst schnell in der Nothilfe-Phase mitzuplanen. Für Haiti rechne man damit, dass diese Phase aber noch bis zum Ende des Jahres anhalten werde.

Das Rote Kreuz ist zurzeit mit etwa 500 internationalen Katastrophenexperten in Haiti im Einsatz. "Wir brauchen sehr viel Personal, denn wir wollen den Menschen vor Ort langfristig helfen", betonte Dr. Johannes Richert vom DRK. Er kritisierte, dass viele Organisationen nur schnelle Notfallhilfe leisten und wieder abziehen. Täglich erschienen etwa 60 Patienten in dem DRK-Feldlazarett in der Hauptstadt Porto-au-Prince, die keine Nachfolgebehandlungen erhalten haben.

"Wir haben viele Patienten mit Amputationen, die nur im Hospital des DRK eine orthopädische Versorgung erhalten", sagte Richert. Man gehe mit der Arbeit vor Ort dauerhafte Verpflichtungen ein. Kinder und Jugendliche bräuchten zum Beispiel - solange sie im Wachstum seien - jedes Jahr neue Prothesen.

"Jede Intervention, die nur kurzfristig gedacht ist, ist zwar gut gemeint, aber nicht hilfreich. Langfristig richtet sie viel Schaden an - auch psychisch", betonte Richert.

Unter anderem will das DRK zwei Millionen Euro für den Wiederaufbau des Krankenhauses in Carrefour investieren. Des Weiteren ist geplant, das Gebäude der Blutbank neu zu errichten. Das mobile Rotkreuz-Hospital soll - sobald dies möglich ist - in feste Räume umziehen.

Parallel dazu bildet das DRK bereits jetzt lokales Personal medizinisch fort. "Wir wollen nicht, dass die Menschen passive Hilfsempfänger werden, sondern aktiv am Wiederaufbau teilhaben können", ergänzte Peer Kölling, Leiter Sachgebiet Lateinamerika. "Egal wie arm die Bewohner Haitis sind, sie müssen gegen kommende Katastrophen widerstandsfähig werden."

Aktuell steht Haiti vor der nächsten Herausforderung: Anfang April beginnt Regenzeit und Anfang August die Hurrikan-Saison. Immer noch gibt es 700 000 Menschen ohne angemessene Unterkunft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Innovationsfonds bleibt - und wird verändert

Seit 2016 fördert der GBA neue Versorgungsprojekte mit vielen Millionen. Jetzt wird bekannt: Mit dem Innovationsfonds geht es weiter - in etwas modifizierter Form. mehr »

Düsteres Bild der Weiterbildung

Fehlende Strukturen und Verstöße gegen Arbeitszeitgesetze: Eine Umfrage des Hartmannbundes unter knapp 1500 Assistenzärzten deckt gravierende Mängel in der Weiterbildung auf. mehr »

Was Kliniken von Luftfahrt lernen können

Zur Eröffnung des „Gesundheitskongresses des Westens“ versucht die Gesundheitsbranche, von anderen zu lernen: Nicht Fehler seien das Problem, sondern das Machtgefälle in Teams. mehr »