Ärzte Zeitung online, 17.02.2010

Tödliche Gewohnheit im Straßenverkehr

KÖLN (eb). Warum Autofahrer so gravierende Fehler auf Strecken machen, die sie besonders gut kennen, haben jetzt Kölner Wissenschaftler untersucht. In einer Studie über die Wirkung von Routine beim Autofahren haben die Forscher erkannt, dass die Gehirnaktivität auf bekannten Strecken deutlich reduziert ist.

Wissenschaftler um Professor André Bresges, Physiker in Köln, untersuchten eine Gruppe von 16 erfahrenen Autofahrern und 16 weniger routinierten Fahrern.

Die Probanden sahen zunächst sechs Minuten lang passiv eine Fahrt an einem Fahrsimulator an. In einem Nebenraum befuhren die Testpersonen die simulierte Strecke dann so lange virtuell, bis sie ihnen ähnlich bekannt war wie die tägliche Fahrt zur Arbeit.

Anschließend lenkten die Probanden das Fahrzeug mit einem Joystick und betrachteten die bekannte Strecke, während die Wissenschaftler die Gehirnaktivität aufzeichneten. Zur Analyse der Gehirnaktivität nutzten die Forscher die funktionelle Magnetresonanztomografie.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Gehirn auf unbekannte Strecken stärker reagiert als auf bekannte. Als die befahrene Strecke den Probanden zur Routine wurde, war die Aktivität des Gehirns deutlich reduziert, bei den erfahrenen Autofahrern genauso wie bei den unerfahrenen. Der Fahrer steuert das Auto also, ohne sich bewusst zu orientieren.

Bresges arbeitete mit Professor Elke Gizewski vom Uniklinikum Essen und dem Fachbereich Polizei der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen zusammen.

Die Polizei in NRW prüft jetzt, welchen Einfluss die Studie auf Aktivitäten in der Verkehrssicherheitsarbeit haben wird. Autofahrern müsse deutlich werden, dass Gefahren gerade auch auf den scheinbar bekannten und harmlosen Strecken lauern.

Insgesamt 86 Prozent der Verkehrsunfälle sind auf das Fehlverhalten des Fahrzeugführers zurückzuführen, berichtet das Statistische Bundesamt zur Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2008. Dabei sind junge Erwachsene die am stärksten gefährdete Altersgruppe.

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